
Menschen sind Gewohnheitstiere. Manche mehr, manche weniger, meinereine ganz extrem - jedenfalls, wenn es um Dosenöffner geht. Der oben abgebildete begleitete mich seit dem Umzug von der Studentenbude in die erste eigene Mehrzimmerwohnung. Und das auch nur deshalb, weil das bis dahin benutzte Teil bei der Übersiedlung auf Nimmerwiedersehen verschwand. Das war ein nahezu antikes Modell gewesen, eins von der Sorte, die erstmal mit einem Hammer dazu überredet werden mussten, sich in der Dose zu verbeißen. Simpel, aber unverwüstlich.

Dieser Klassiker öffnete auch ohne Murren diese länglichen Anchovisbüchsen, bei denen immer der Drehschlüssel fehlte. Die musste ich mir abgewöhnen, denn No 2 versagte dabei kläglich: Das Schneidrad war zu groß für die engen Rundungen an den Schmalseiten dieser Dosen. Ansonsten war er brav, wiewohl kein Quell ungetrübter Freude: Er tauchte bei Gebrauch tief in Tomatensauce, Öl & Co, die denn bei jedem Ruckeln (und es ruckelte oft) aus der erst partiell geöffneten Dose spritzten, und zudem trotz aller Reinigungsbemühungen mit Drahtbürsten und Zahnstochern im Laufe der Zeit eine immer dickere Patina an den Zahnrädern bildeten. Weshalb No 2 in den letzten Jahren fast nur noch zum Öffnen von Tunfischdosen für die Katzen verwendet wurde. Und auch das immer seltener, denn immer mehr Konservendosen aller Art sind ja mit Aufreißdeckel versehen, und zudem spielen sie in der Low Budget-Küche ohnedies nur eine kleine Nebenrolle. So schob Öffner No 2 über die Jahre eine ziemlich ruhige Kugel. Bis ich vor einigen Tagen, eine Dose Kichererbsen in der einen und No 2 in der anderen Hand, unvermittelt in Streik trat: Die erwähnte Patina könnte vielleicht in tausend Jahren ArchäologInnen erfreuen, mir verdarb sie schon im Vorfeld den Appetit auf den geplanten Brotaufstrich. Und so schickte ich No 2 in Rente und erwarb nach ausgiebiger Marktforschung den dritten Dosenöffner
meines Lebens.

Vermutlich hat auch dieses Ding seine Macken - aber bisher ist nichts davon zu merken. Wo ich bei No 2 regelmäßig murrte, "Auf den Mond können sie fliegen, aber keinen vernünftigen Dosenöffner erfinden", regiere ich auf No 3 mit glücklichen kleinen Seufzern. :-) No 3 hält sich fern vom Doseninhalt und öffnet das Behältnis nahezu unmerklich. Die Dose sieht nach Einsatz von No 3 völlig unversehrt aus, weshalb ich ihm nach dem ersten Test schon völliges Versagen unterstellte, wo er bloß Perfektion demonstriert hatte. Und er hilft beim Sparen: Die Kanten sind absolut glatt, was - bis No 3 an Schärfe verliert - die Ausgaben für Pflaster und Jod reduzieren wird. Der Kichererbsenaufstrich schmeckte allerdings ein wenig ungewohnt, so ganz ohne Blut drin. :-)
