Sonntag, 28. Februar 2010

Abgekupfert: Kakao-Schnecken


Kakaoschnecken

Beschämt stell ich mich ganz hinten in die Reihe jener, die Anikós geniale Kakaoschnecken nach ungarischem Rezept nachgebacken haben. Diese gar wunderbaren Teilchen sind ja schon quer durch die Blogs gewandert und haben allerorten Jubel ausgelöst. In den ich nur lauthals einstimmen kann: So fluffig! So flauschig! Warum hab ich nur so lange gewartet? Zur Strafe musste ich sie gleich zweimal hintereinander backen, denn die erste Partie war schneller weg, als ich sie fotografieren konnte. Diese Dinger sind einfach göttlich - und falls es da draußen wen gibt, der oder die sie noch nicht probiert hat: nachbacken, unbedingt! :-)

Das Geheimnis dieser Schnecken ist das Milchbad, das sie während des Backens genießen dürfen. Der ohnedies schon recht weiche Teig kriegt so noch zusätzlich Flüssigkeit und dankt es mit jener Flauschstruktur, die zum Jubilieren verführt. Und weil er im Unterschied zu Dampfnudeln oben ohne badet, also ohne Deckel, gibts auch eine schön goldene Oberfläche. Das fällt bei den Kakaoschnecken nicht so auf und ist auch nicht wichtig - wohl aber bei den Buchteln, die ich testhalber mitgebacken habe. Und weil ich grad so schön am Experimentieren war, hab ich einen Teil der Buchteln in einer Extraform gebacken und sofort in ein heißes Milchbad gesetzt, statt sie erst nach der halben Backzeit zu duschen. Ergebnis: So gut sind mir Buchteln noch nie gelungen. :-) Schnecken werde ich aber auch weiterhin erst zur Halbzeit gießen: Wenn die von Anfang an im Bade säßen, würde, so fürchte ich, einiges vom Kakaopulver ausgeschwemmt werden.

Übrigens hatten Zorra und Frau Sammelhamster erwähnt, dass bei ihren Schnecken am Ende der Backzeit noch Milch in der Form war. Mir scheint, dass bei diesem Rezept - ähnlich wie bei Dampfnudeln - die Flüssigkeitsmenge nicht nur von der Teigmenge abhängt, sondern auch von der Formgröße. Beim ersten Versuch hatte ich eine etwas zu große Form verwendet, wo eine halbe Reihe frei blieb: Da war nach der vorgesehenen Backzeit alle Milch aufgesogen oder verkocht. Bei der zweiten Partie haben die Teilchen die Form gut ausgefüllt, die Milch stand höher darin und war am Ende noch nicht ganz weg - sowohl bei den Schnecken als auch bei den Buchteln, die vom Start weg im Bad saßen. Fünf Extraminuten auf der untersten Schiene lösten das Problem - btw, eine Glasform ist praktisch, da kann frau auch von unten gucken, wie die Dinge sich entwickeln -, alle Milch weg, bis auf ein wenig Haut am Rand.

Schneckenhaut

Ach ja, beim zweiten Durchgang habe ich das im Rezept vorgesehene Eigelb ersatzlos gestrichen - ich wusste schon bei der ersten Partie nicht, was ich mit dem übrigen Eiweiß anfangen sollte -, hat nicht wirklich geschadet. Auch die Butter im Milchbad hab ich weggelassen, und nur die fertigen Teilchen mit etwas Butter bepinselt, damit sie glänzen. Und den Kakao hab ich leicht gewürzt: einmal mit etwas Kardamom, das andere Mal mit Espressopulver. Kardamom war gut, Kaffee war besser. :-)

Kakaoschnecken

Teig:
300 ml Milch
50 g Butter
1 Pk Trockenhefe
25 g Zucker
1 Eigelb
500 g Mehl
1/2 TL Salz

Füllung:
10-11 TL Puderzucker
5 TL Kakaopulver
1 TL Instant-Espresso-Pulver

Außerdem:
150 ml Milch, erwärmt, zum Fertigbacken
1-2 TL Butter, nach Belieben, zum Bestreichen

Temperatur: 180 Grad, O/U-Hitze, vorgeheizt
Backdauer: 30-35 Minuten
Form: Auflaufform (ca 1/2 - 2/3 Backblechgröße), gefettet

Für den Teig Trockenhefe und Zucker mit ein wenig von der Milch verrühren. Restliche Milch erwärmen und die Butter darin schmelzen, allenfalls etwas abkühlen lassen. Hefe- und Milchmischung mit Eigelb, Mehl und Salz zu einem weichen, aber seidig glatten Teig kneten. Zugedeckt zu doppeltem Volumen aufgehen lassen. Abschlagen, nochmal kurz durchkneten und nach kurzer Rastzeit rechteckig ausrollen. Kakao, Puderzucker und Espressopulver mischen und auf den Teig sieben. Aufrollen und in Scheiben von 3 cm Dicke schneiden. Mit nicht zu viel Abstand in die Form legen und nochmal 15 Minuten gehen lassen.

Auf mittlerer Schiene 15 Minuten backen. Dann mit der warmen Milch begießen und weitere 15-20 Minuten backen, bis die Milch aufgesogen ist. Allenfalls auf die unterste Schiene wechseln. Fertige Teilchen nach Belieben noch heiß mit etwas Butter bepinseln.


Samstag, 27. Februar 2010

Das Wort zum Wochenende: Abwasch


Als Bella nach dem Abwasch in den Aufenthaltsraum kam, war sie nicht gerade bester Laune, was Dóra gut verstehen konnte. Man musste erst Schnee schmelzen, so dass es ewig dauerte, ein paar Teller und Töpfe zu spülen. "Das mach ich bestimmt nicht nochmal!", verkündete sie wütend. "Ist mit völlig egal, wie viel ihr angeblich zu tun habt." Sie warf Dóra, Alvar und Friðrikka, die es sich bequem gemacht hatten, einen verächtlichen Blick zu.
"Jetzt setz dich und komm erstmal runter. Als ob wir nicht alle schon mal spülen mussten."


Yrsa Sigurðardóttir: Die eisblaue Spur. Island-Krimi

Freitag, 26. Februar 2010

Augenschmaus: Kochlöffel aus Olivenholz


Kochlöffel aus Olivenholz

Wirklich erklären kann ichs nicht, aber es ist, wie's ist: Mit antihaftbeschichtetem Kochgeschirr kann ich mich nicht anfreunden. Teflon mag gut sein für Mondraketen, Töpfe und Pfannen in der Low Budget-Küche sind aus Edelstahl oder aus Email. Gusseisen mag ich auch, ist mir aber angesichts des Gewichts und meiner Tollpatschigkeit am Cerankochfeld doch zu riskant. :-)

Den unempfindlichen Oberflächen meiner Töpfe ists völlig egal, womit ich darin herumfuhrwerke. Mein Lieblingspfannenwender ist ein Erbstück aus Großmutters Küche: ein metallener Methusalem - in jahrzehntelangem Gebrauch fast messerscharf abgeschliffen -, der sensible Antihaftbeschichtungen panisch flüchten ließe. Der alte Kratzer zählt aber zu den Ausnahmen. Denn ungeachtet des robusten Kochgeschirrs bevorzuge ich streichelzartes Rührgerät, in Bio-Qualität quasi: Kochlöffel, Pfannenwender & Co müssen nach Möglichkeit aus Holz sein. Exemplaren aus Plastik ist der Zutritt in die Low Budget-Küche streng verwehrt, und von der aktuellen Mode, mit Silikonschabern in Töpfen zu rühren, reden wir gar nicht erst, das ist für Softies. ;-)

Ich will nicht behaupten, dass hölzerne Kochlöffel völlig unverwüstlich sind, aber doch so gut wie. Mein ältestes Exemplar hatte schon die Vorfahrin in Gebrauch. Nach vielen Jahrzehnten fleißigen Rührens ist er zwar ein wenig abgeflacht, aber wo ein Plastikkollege - wenn er denn überhaupt so lange hielte - bloß unsehnlich geworden wäre, ist der Holzlöffel in Würde gealtert ...

Sehr alter Kochlöffel

... und natürlich immer noch in Verwendung. Insofern gabs keinen Grund, meine Sammlung an Rührwerkzeugen zu erweitern, und ich hatte die Haushaltswarenabteilung des Supermarkts eigentlich nur aufgesucht, um Muffinförmchen zu erwerben. Aber als ich die Olivenholz-Kochlöffel sah, wars um mich geschehen. Ich war auf der Stelle verliebt und musste so ein Ding haben. Statt der gedachten zwei, drei Minuten verbrachte ich ein Vielfaches dieser Zeit am Regal, um sorgsam den allerschönsten der schönen Löffel auszuwählen, von denen keine zwei gleich aussehen. Vermutlich würden selbst stümperhaft geschnitzte Olivenholzobjekte immer noch Kunstwerken gleichen, denn die wilde Maserung in Farben von hellstem Ocker bis zu einem dunklen Tannenhonigton schafft wunderschöne abstrakte Bilder.

Pfannenwender aus Olivenholz

Dieser Pfannenwender ist ganz neu - und doch schon einige hundert Jahre alt: Olivenbäume werden erst gefällt und verwertet, wenn sie nicht mehr tragen. Und das dauert nahezu ewig. Die Bäume wachsen unter relativ kargen Bedingungen äußerst langsam, was dem Holz nebst der außergewöhnlichen Maserung auch eine hohe Dichte verleiht, die es ziemlich unempfindlich macht. Der Hersteller meines neuen Kochlöffels preist das Produkt denn auch folgerichtig als spülmaschinenfest an - was ich aber selbst dann nicht austesten würde, wenn ich so ein Gerät besäße: Es wäre doch zu schade um die mattseidig glänzende Oberfläche, die unter der rüden maschinell-chemischen Behandlung doch leiden könnte.

Übrigens: Küchenhelfer aus Olivenholz sind zwar auch in diversen Online-Shops erhältlich - aber ich finde, sie sind ein Fall für den höchstpersönlichen Einkauf im Laden vor Ort. Gestressten VersandmitarbeiterInnen die Auswahl von Objekten überlassen, die so unterschiedlich ausfallen können und die frau viele Jahre vor Augen haben wird? Nee, das mach ich lieber selbst. Und jetzt, wo ich weiß, wie lang das ob meiner Entscheidungsschwäche dauert, nehm ich nächstes Mal auch Herrn Hund nicht mit. Dann muss er nicht gelangweilt vorm Laden heulen und ergo auch nicht vom Betreiber des nahen Imbissstands mit Würstchen ruhiggestellt werden, was den Löffelpreis doch etwas in die Höhe treibt. :-)


Samstag, 20. Februar 2010

Das Wort zum Wochenende: Madeleine


Viele Jahre lange hatte von Combray außer dem, was der Schauplatz und das Drama meines Zubettgehens war, nichts mehr für mich existiert, als meine Mutter an einem Wintertage, an dem ich durchfroren nach Hause kam, mir vorschlug, ich solle entgegen meiner Gewohnheit eine Tasse Tee zu mir nehmen. Ich lehnte erst ab, besann mich dann aber, ich weiß nicht warum, eines anderen. Sie ließ darauf eines jener dicken ovalen Sandtörtchen holen, die man "Madeleine" nennt und die aussehen, als habe man als Form die gefächerte Schale einer St.-Jakobs-Muschel benutzt. Gleich darauf führte ich, bedrückt durch den trüben Tag und die Aussicht auf den traurigen folgenden, einen Löffel Tee mit dem aufgeweichten kleinen Stück Madeleine darin an die Lippen. In der Sekunde nun, als dieser mit dem Kuchengeschmack gemischte Schluck Tee meinen Gaumen berührte, zuckte ich zusammen und war wie gebannt durch etwas Ungewöhnliches, das sich in mir vollzog. Ein unerhörtes Glücksgefühl, das ganz für sich allein bestand und dessen Grund mir unbekannt blieb, hatte mich durchströmt. Mit einem Schlage waren mir die Wechselfälle des Lebens gleichgültig, seine Katastrophen zu harmlosen Missgeschicken, seine Kürze zu einem bloßen Trug unserer Sinne geworden; es vollzog sich damit in mir, was sonst die Liebe vermag, gleichzeitig fühlte ich mich aber von einer köstlichen Substanz erfüllt: oder diese Substanz war vielmehr nicht in mir, sondern ich war sie selbst. Ich hatte aufgehört mich mittelmäßig, zufallsbedingt, sterblich zu fühlen.


Mittwoch, 17. Februar 2010

Möhren-Kuchen mit Schokolade


Duden einst und jetzt

Nach 15 Jahren, so befand ich neulich, wäre es wohl an der Zeit, endlich mal einen neuen Grammatik-Duden anzuschaffen. Nicht, dass das vorhandene Exemplar besonders zerlesen wäre, aber inzwischen gabs ja eine Rechtschreibreform. Und die brachte auch in der Grammatik Änderungen, mensch denke nur an die vereinfachten Kommaregeln. Der aktuelle Grammatik-Duden würde daher, so dachte ich, wohl nur noch eine bessere Broschüre sein. Ja, das hat sich die kleine Hedonistin so gedacht. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Von 800 Seiten in der Ausgabe von 1984 ist der Grammatik-Duden bis heute auf 1340 Seiten angewachsen, ein Klotz von zweieinhalb Pfund. Und dessen Inhalt soll nun irgendwie in meinen Kopf. Aber gut, dort gibts mittlerweile so viele altersbedingte Lücken, dass genug Platz ist. :-)

Gute Vorbereitung ist dennoch nötig: Ich entschied, im Vorfeld ein paar Möhrchen zu knabbern, für die Augen, und einige Eckchen herbe Schokolade, für die unbedingt nötige gute Laune. Was sich - welch glücklicher Zufall! - mit den wichtigsten Ingredienzen für den Schokolade-Möhren-Kuchen deckte, den ich morgens bei Foodfreak gesehen hatte, und der mir wegen des nusslosen Teigs gleich ausgezeichnet gefallen hatte. :-)

Schokolade-Möhren-Kuchen ohne Nüsse

Ich hab Foodfreaks Rezept nur leicht abgeändert: Zuckermenge reduziert, statt der nicht im Vorrat befindlichen Schokotröpfchen geraspelte Schokolade verwendet und den Zimt durch Kaffee ersetzt. Foodfreaks Fazit - "wunderbar fluffig und saftig, nicht zu süß, schmeckt grandios nach Schokolade" - gilt aber auch für diese Variante. :-)

Möhren-Kuchen mit Schokolade

2 Eier
100 g Zucker (davon 25 g Vanillezucker)
125 ml Rapsöl
250 g Möhren, fein geraspelt
125 g Mehl
40 g Kakaopulver
1 TL Instant-Espresso-Pulver
je 1 TL Backpulver & Natron
1 Prise Salz
50 g Schokolade, 75%, geraspelt

Temperatur: 180 Grad, O/U-Hitze, vorgeheizt
Backdauer: ca 45 Minuten
Form: Springform, 18 cm

Eier, Zucker, Öl und Espressopulver cremig rühren, dann die Möhren untermischen. Mit Backpulver, Natron, Kakao und Salz versiebtes Mehl zugeben, kurz verrühren und schließlich die Schokoraspel einmengen. In die Form füllen und bis zur erfolgreichen Stäbchenprobe backen.


Sonntag, 14. Februar 2010

Schwarzwurzeln mit Mohn & Orange


Schwarzwurzeln mit Mohn & Orange

Ach, was ich hatte ich mich gefürchtet vor den ersten frischen Schwarzwurzeln meines Lebens! Je nach gewählter Methode, so las ich, würde frau sich entweder die Klamotten rettungslos versauen oder den Kochtopf, die Verarbeitung frischer Schwarzwurzeln sei eine Strafarbeit. War aber alles gar nicht wahr. :-)

Tatsächlich erwiesen die Schwarzwurzeln in der Handhabung nicht verzwickter als Möhren, hängt bloß mehr Erde dran. Selbige hab ich abgebürstet, dann die Wurzel an einem Ende - genauer: am Blattschopf - gepackt, unter Drehen geschält, kurz abgespült, den "Haltegriff" abgeschnitten und die Wurzel in Zitronenwasser geworfen. Keine Spritzer, keine Flecken, kein Problem. :-)

Das von mir ins Auge gefassten Rezept sah vor, dass die Wurzeln nur gebraten werden. So weit hab ich der Supermarktware aber nicht getraut, nachdem ich in dem Laden jüngst abgepackte Möhrchen erworben hatte, die sich als Hartholzkeile entpuppten. Die Schwarzwurzeln hab ich deshalb kurz vorgekocht, um sie sicher weich zu kriegen. Und dann weiter nach Rezept, jedenfalls so ungefähr:

Wurzeln schräg in Scheiben schneiden, in Butterschmalz anbraten, fein geriebene Orangenschale und Graumohn einrühren. Orangensaft und Sahne zugießen, kurz einkochen, zurückhaltend mit Salz & Pfeffer abschmecken, fertig.

Dazu gabs Tagliatelle, und es blieb nicht mal das kleinste Restchen übrig - ganz klar ein eventtaugliches Rezept. :-) Passend zum aktuellen Thema im Kochtopf, obwohl die Farbe dieses Essens kein klassisch strahlendes Schneeweiß war - aber wo in der luftverschmutzten Großstadt gibts denn richtig weißen Schnee? :-)

Samstag, 13. Februar 2010

Das Wort zum Wochenende: Okraschoten


"Sie sieht also nicht nur super aus, sondern ist auch eine gute Köchin."

Sinclair lachte. "Sie hat sich die Zubereitung von vierzehn Gerichten selbst beigebracht; das bedeutet zwei Wochen lang täglich ein anderes Essen. Jeden Mittwoch, komme, was da wolle, gibts bei uns koreanisches bulgogi. Nicht schlecht, doch heute ist okra-gumbo-Tag. Das mag ich grundsätzlich auch, aber manchmal wache ich mit dem Gefühl auf, dass ich keine Okraschoten mehr sehen kann. Das darf ich ihr natürlich nicht sagen ..."


John Sandford: Blutige Rache

Donnerstag, 11. Februar 2010

Birnen im Dirndl


Birne in Kornelkirschen-Sirup

Es muss nicht immer Rotwein sein - in rotem Saft oder Sirup gegarte Birnen sehen genauso hübsch aus und können auch von Kindern verspeist werden. Eine gar prächtige Ergänzung des feinen Birnen-Aromas ist Dirndl-Sirup. Die Früchte des Gelben Hartriegels - Cornus mas - harmonieren ganz hervorragend mit jenen des Birnbaums. Der ganz leicht herbe Touch der säuerlichen Dirndln bringt Schwung in die Sache und sorgt dafür, dass die milden Birnen nicht langweilig wirken. Zusätzliche Gewürze sind nicht nötig, hingegen empfiehlt sich eine Begleitung in Gestalt von Eiscreme, Parfait, Joghurtmousse oder Ähnlichem.

Die Dirndln - ganz korrekt Kornelkirschen geheißen - sind in der Alpenrepublik übrigens eine Spezialität des Pielachtals, einer Region im niederösterreichischen Mostviertel. Dort hatte Cornus mas jahrhundertelang eine wichtige Funktion als Grenzheckenpflanze, seit dem 18. Jahrhundert wird der Strauch auch zur Schnapsherstellung kultiviert. Heute vermarktet sich die Region erfolgreich als Dirndl-Tal. Die roten Früchte werden nicht nur zum Pielachtaler Dirndlbrand - eine geschützte Bezeichnung - veredelt, sondern auch zu vielen anderen Köstlichkeiten von Marmelade bis Schokolade verarbeitet. Veranstaltungen wie Dirndl-Kirtage oder Dirndl-Wanderungen sollen TouristInnen ebenso locken wie die jährliche Kür der Dirndl-Königin - ein Dirndl, das zu festlichen Anlässen natürlich ein eigens entworfenes Dirndltal-Dirndl trägt, in den Farben des Dirndlstrauchs und seiner Früchte gehalten, versteht sich. :-)

Birnen im Dirndl

Birnen
Dirndl-Sirup
Wasser

Birnen schälen, eventuell halbieren (aber nicht auseinander schneiden) und das Kerngehäuse entfernen. Sirup mit Wasser nicht zu sehr verdünnen (ca 2:1), aufkochen und die Birnen einlegen. Temperatur reduzieren und die Früchte pochieren, bis sie (nicht zu) weich sind. Im Sud erkalten und idealerweise noch einige Stunden oder über Nacht ziehen lassen. Birnen abtropfen, den Saft wieder auf- und zu Sirup einkochen. Die Früchte im Ganzen oder fächerförmig eingeschnitten mit dem Sirup anrichten.


Montag, 08. Februar 2010

Käferbohnen-Strudel mit Kürbiskernen


Steirischer Käferbohnen-Strudel mit Kürbiskernen

Käferbohnen-Strudel mit Kürbiskernen

2 Zwiebeln (oder 1 Stange Lauch oder beides gemischt)
2 EL Butterschmalz
50 g Kürbiskern- oder Sesambrötchen, gewürfelt
1-2 EL Kürbiskerne, geröstet, grob gehackt
2 Eier
300-400 g Käferbohnen, gegart
Salz & Pfeffer, aus der Mühle
1 Pk Strudelteig (120 g)
1 EL Kürbiskerne, geröstet, sehr fein gehackt
flüssiges Butterschmalz oder Öl, zum Bestreichen

Temperatur: 190 Grad, O/U-Hitze, vorgeheizt
Backdauer: ca 30 Minuten
Form: Backblech, mit Backpapier belegt

Zwiebel würfeln und/oder Lauch in Ringe schneiden. In Butterschmalz zart goldgelb braten, etwas abkühlen lassen. Eier verquirlen, mit Brotwürfeln, Bohnen, grob gehackten Kürbiskernen, Salz & Pfeffer mischen. Zwiebeln und/oder Lauch untermengen.

Ein Strudelblatt auf ein Geschirrtuch legen, mit Butterschmalz oder Öl bepinseln und mit fein gehackten Kürbiskernen bestreuen. Die restlichen Strudelblätter auflegen und jeweils gut einölen. Fülle auf etwa 2/3 der Teigfläche verteilen, seitlich einschlagen und mithilfe des Tuchs aufrollen. Mit der Nahtseite nach unten auf das Backblech legen, Oberfläche mit Butterschmalz oder Öl bepinseln. Ins Rohr schieben und goldbraun backen.

Dazu passen gemischte Blattsalate mit viel Kürbiskernöl.

Sonntag, 07. Februar 2010

Kleine Kuchen #06 - Sweets for my Sweet im Januar

 



Im Januar sitzen ja gern noch die Spuren vieler feiner Kekse an den Hüften, was wohl die Bereitschaft Kuchen zu backen, und seien sie noch so klein, ein wenig dämpft. In der Low Budget-Küche entstand im Vormonat grade mal ein einziger kleiner Kuchen, und auch aus anderen Foodblogs kam nur eine Hand voll Eventbeiträge. Macht aber nix, denn ganz wunderbare Anregungen für Leckerchen zum Valentinstag gibts in Zorras Kochtopf - um sich da durchzukosten, brauchts noch viele, viele Valentinstage. :-)
 
Monatlicher Blog-Event bei Low Budget Cooking: Kleine Kuchen Da in diesem Jahr der Winter dem Klimawandel was hustet und so gar kein Ende nehmen will, hatte ich als Event-Schwerpunkt im Februar eigentlich an seelenschmeichelnde Schokokuchen gedacht. Aber deren antidepressive Wirkung würde beim Blick auf die Hüften vermutlich schnell verpuffen, also hab ich mir das betrübt abgeschminkt. Vernünftig wärs wohl, in diesem Monat nach gesunden, vieleicht gar vollkörnigen kleinen Kuchen zu fragen - aber das stimmt mich auch nicht wirklich froh. Daher: kein Schwerpunktthema im Februar. Ich nehme jede Art von kleinem Kuchen gern entgegen und lass mich überraschen, ob der Trend eher in Richtung Schokolade oder Vollwertbäckerei geht. :-) Berücksichtigt werden alle Beiträge, die bis zum letzten Sonntag des Monats einlangen: Das ist diesmal der 28. Februar.




Runde Form, 18 cm

Grosis Marmor-Guglhopf
Wirklich gute Kuchenrezepte verzeihen auch kleine Unachtsamkeiten. Dieser Marmorkuchen - bereits von vielen FoodbloggerInnen getestet - nimmts nicht übel, wenn frau die im Rezept verlangte Sahne vergisst. Vielleicht ist er ohne süßen Rahm ein klein wenig trockener als vorgesehen - aber wer merkt das schon ohne direkten Vergleich? Gibt ja ohnehin eine Tasse Kaffee dazu. :-)

Tarte Tatin mit Grapefruit & Kardamom
Herb-fruchtig, leicht karamellig, aber nicht zu süß: Diese "verkehrte" Tarte passt zu einer Tasse Tee genauso gut wie als leichtes Dessert. In letzterem Falle macht sich ein Kügelchen Eiscreme auch nicht schlecht dazu. :-)



Runde Form, 20 cm

Pfirsich-Melba-Kuchen
Pfirsiche und Himbeeren bringen Sommersonne und gute Laune auf den winterlichen Kuchenteller, Haferflocken im Teig beruhigen das Kalorien-Gewissen. Aber keine Sorge: Der Boden - ohnedies nur hauchdünn - schmeckt kein bisschen gesund. Sondern einfach nur lecker.



Muffins, Cupcakes & Tartelettes:

3-Minuten-Schoko-Kuchen
Wer jetzt sofort und nicht erst in einer Stunde ein Stück Schokokuchen braucht, ist mit diesem Rezept allerbestens bedient - sofern eine Mikrowelle zur Küchenausstattung gehört. Die eignet sich nämlich hervorragend zu Zubereitung kleiner Kuchen. Einfacher und schneller gehts wirklich nicht! Dass es schmeckt, ist bei einem so schokoladigen Rezept unvermeidlich, Vanillesauce oder Eiscreme als Ergänzung sind aber dennoch kein Fehler. :-)

Pistazie-Rose-Kuchen-Trüffel
Zugegeben: Diese wunderbaren kleinen Teilchen sind nicht eben im Handumdrehen herzustellen. Aber der Aufwand lohnt, denn als Ergebnis winkt Augen- und Gaumenschmaus. Und der oder die Liebste ist ein wenig Mühe doch wert, oder? Schließlich ist nicht alle Tage Valentin. :-)
Seelensturm  ]



Sonstiges:

Schneegestöber im Glas
Diese sahnig-fruchtige süße Sünde lässt sich von jetzt auf gleich zubereiten - sofern frau vorgesorgt und beizeiten Baisers gebacken bzw getrocknet hat. Das macht kaum Arbeit, braucht aber etwas Zeit. Die ist aber gut investiert, weil die kleinen Dinger - gut verpackt - gern auch länger auf ihre große Stunde warten, wo sie dann verliebte Süßschnäbel erfreuen. :-)



Tipps & Tricks:




Samstag, 06. Februar 2010

Das Wort zum Wochenende: Blutwürstchen


Kaum dass mir Mutter die Tür geöffnet hatte, holte ich tief Luft und sagte: Edison wurde 1847 geboren. Ich fürchte jedoch, dass sie mich nicht ganz verstand. Als sie mich da mit der Kanne duftender (stark gewürzter!) Blutsuppe und dem Korb voller Leber- und Blutwürstchen stehen sah, empfahl sie sich und ging zu Boden, aber wie immer in ihrem Leben (wie fast immer in ihrem Leben) sprang Vater rechtzeitig herbei und fing sie in seinen Armen auf.

(Die Schlachtleckereien waren nicht von den Horáčeks, das muss ich Ihnen noch schnell verraten. Bevor man mich wieder aus dem Luftschiff entließ, hatte man mir zu Ehren nämlich noch ein Schwein geschlachtet! Und da in Luftschiffen alle Schweine hohe Ränge haben, war dies ein Oberst-Schwein. Die aus ihm gefertigten Blutwürstchen hatten die Form einer salutierenden rechten Hand.)


Freitag, 05. Februar 2010

Tierisch gut: Serbisches Reisfleisch


Serbisches Reisfleisch Eins der Lieblingsessen meiner nicht vegetarischen Kindheit war serbisches Reisfleisch. Die Vorfahrin bereitete es ohne Schnickschnack, sondern hübsch puristisch zu - wie es u.a. Franz Maier-Bruck, die große Prato oder mein uraltes Schulkochbuch beschreiben. Nicht mal der von den genannten Quellen empfohlene Parmesan kam zum Einsatz. Das blättrig geschnittene süß-saure Essiggurkerl allerdings legte auch die Vorfahrin immer auf den Teller, wenn auch jedes Mal über den Sinn rätselnd. :-)

In der Low Budget-Küche wird serbisches Reisfleisch nur für Herrn Hund zubereitet und ohne Parmesan und üblicherweise auch ohne Gurke serviert. Fürs Foto hab ich eine Ausnahme gemacht, Herr Hund strafte das Gurkerl dann allerdings mit Missachtung. Und ich könnte schwören, dass er sich kurz mit der Pfote an die Stirn tippte, als er den in Form gepressten Reis sah. ;-)

Das überlieferte Grundrezept wird für Herrn Hund nur insofern abgewandelt, als ich Speck durch Öl ersetze und die Zwiebelmenge reduziere, um deutlich unter der von Meyer/Zentek genannten Maximaldosis (5 g je kg Körpergewicht und Tag) zu bleiben.

Serbisches Reisfleisch

50 g Selchspeck, gewürfelt (für Herrn Hund: 3 EL Rapsöl)
200 g Zwiebeln, fein gewürfelt (für Herrn Hund: 50 g)
1 EL Rosenpaprika (Paprikapulver edelsüß)
1 EL Tomatenmark (für Herrn Hund: 3 EL)
1 Knoblauchzehe, feinst gehackt
Kümmel, Salz
700 g Schweinefleisch, gewürfelt
250 g Reis
ca 500 g Wasser
Parmesan, frisch gerieben; nach Belieben
Essiggurke, blättrig gescxhnitten, nach Belieben

Speck glasig anrösten (bzw Öl erhitzen). Zwiebeln darin goldgelb rösten. Paprikapulver einrühren, sofort Tomatenmark und übrige Gewürze zugeben und verrühren. Fleisch zugeben und zugedeckt in etwa 15-20 Minuten halbweich dünsten. Trockenen Reis zugeben, mit Wasser aufgießen und aufkochen. Dann zugedeckt in etwa 20 Minuten weichgaren. Der Reis sollte am Schluss ziemlich trocken sein und in einzelne Körner zerfallen. In nasse Förmchen pressen, stürzen und mit Parmesan bestreut und einem Gürkchen garniert servieren.

Donnerstag, 04. Februar 2010

Tarte Tatin mit Grapefruit & Kardamom


Tarte Tatin mit Grapefruit und Kardamom

Zum Backen von Tarte Tatin habe ich bisher meistens eine ofenfeste Bratpfanne verwendet. Einerseits, weil mich das Gewirks mit dem Umfüllen der Früchte von der Pfanne in eine Backform nervt (und mehr Abwasch ists ja auch), und andererseits, weil die Pfanne sich notfalls nach dem Backen nochmal auf den Herd stellen lässt, um ein eventuelles Zuviel an Saft einzukochen. Und jedesmal habe ich geflucht, wenn es ans Stürzen der Tarte ging: Der Pfannenstiel, der ja höher aufragt als der Pfannenrand, ist regelmäßig dem Kuchenteller und den Händen im Weg und rammt sich auch gern mal in den Bauch der unglücklichen Bäckerin oder verbrennt ihr den Unterarm. Immer wieder mal habe ich deshalb nach Alternativen Ausschau gehalten, aber die Preise für ausgewiesene Tarte-Tatin-Formen - sogar für ganz kleine - haben mich dann doch wieder mit der Bratpfanne versöhnt.

Gestern aber stolperte ich im Supermarkt über die perfekte Tarte-Tatin-Form für zwei Personen: ein kleines Eierpfännchen aus Email. Für Emailgeschirr habe ich sowieso eine Schwäche, vor allem für die Serie in Pastellfarben, die schon anno dunnemal in meiner Kindheit ein Klassiker war - Nostalgie pur. Zudem nahezu unverwüstlich, für alle Herdarten einschließlich Induktion geeignet, backofenfest und relativ preiswert: Das kleine Eierpfännchen war um faire 12 Euro zu haben. (Bei Amazon ists deutlich teurer, in einem anderen Onlineshop hab ichs um ca 15 Euro gesehen - Preisvergleiche lohnen sich also.)

Eingeweiht wurde das hübsche Ding mit einer herb-süßen Grapefruit-Tarte-Tatin, die mein Beitrag zum aktuellen Kleine-Kuchen-Event ist. Damit bin ich ein bisschen spät dran, aber beim eigenen Event kann ich ja leicht mit schlechtem Beispiel vorangehen. ;-) Falls noch jemand mitmachen möchte, vertage ich das Round-up, das ja eigentlich heute fällig wäre, noch bis zum Wochenende. Gefragt ist verführerisches Backwerk für den Valentinstag, aber natürlich werden auch alle anderen kleinen Kuchen gern genommen. :-)

Tarte Tatin mit Grapefruit & Kardamom

1 rosa Grapefruit
1 Blutorange, Saft
2 grüne Kardamomkapseln, Samen fein gemörsert
40 g Zucker
ca 1/2 Pk Blätterteig

Temperatur: 200 Grad, O/U-Hitze, vorgeheizt
Backdauer: ca 25 Minuten
Form: ofenfeste Pfanne, 18 cm

Zucker mit Kardamom vermischen, mit etwas Blutorangensaft in die Pfanne geben und hell karamellisieren. Mit dem restlichen Orangensaft aufgießen und sirupartig einkochen lassen. Unterdessen die Grapefruit schälen und dabei die weiße Haut vollständig entfernen. Nach Belieben filetieren oder einfach in Scheiben schneiden. Hübsch in der Pfanne verteilen. Blätterteig kreisförmig zuschneiden (Durchmesser etwas größer als die Pfanne), auf die Grapefruits legen und die Kanten nach innen klappen. Ins Rohr schieben und goldbraun backen. Einige Minuten in der Pfanne abkühlen lassen, damit der Sirup sich setzen kann, dann erst auf eine Platte stürzen.

Tipp: Sollte sich beim Backen zu viel Saft gebildet haben, die Pfanne einfach nochmal auf den Herd stellen und die Flüssigkeit ein bisschen einkochen, dann erst abkühlen und stürzen.