Dienstag, 31. Juli 2007

Möhren-Aprikosen-Köfte und weiße Linsen

Die wohl letzten Aprikosen dieser Saison sahen noch sehr gut aus, erwiesen sich beim Kosten aber als relativ trocken und sehr zuckrig, sodass niemand sie roh naschen wollte. „Fast wie Dörraprikosen, nur ohne Runzeln“, lautete das Urteil – da lag es nahe, sie anstelle von Trockenfrüchten in knusprige Möhren-Köfte zu packen. Das bekam ihnen ausgesprochen gut, denn die Kombination mit Minze und scharfem Chili nahm der extremen Süße die Penetranz und ließ sie angenehm fruchtig erscheinen.

Dazu gabs Linsen, die weiß daherkamen, aber eigentlich schwarz und in Wirklichkeit sowieso Bohnen sind. Was den Gefährten, der beim ersten Blick auf den Teller erfreut "Ah, Risotto!" zu erkennen glaubte, ein wenig verwirrte. :-)

Die indische Bezeichnung Dal/Dhal/Daal (die Schreibweisen differieren) bezeichnet zwar ganz allgemein Hülsenfrüchte sowie die daraus zubereiteten Gerichte, meint aber zumeist ganz speziell geschälte und/oder halbierte Exemplare von Bohnen, Erbsen oder Linsen. In diesem Zustand sind sie nicht mehr so leicht zu identifizieren: Mungbohnen z.B. sind ungeschält grün, geschält aber leuchtend goldgelb.

Urad Dal Die gestern zubereiteten Urad-Linsen (manchmal auch Urid genannt) sind unbearbeitet schwarz, ohne Schale jedoch cremeweiß. Manchmal werden sie nur halbiert, aber ungeschält angeboten, was einen hübschen Schwarzweißeffekt ergibt. Praktisch immer werden sie als Linsen bezeichnet und verkauft – was aber unzutreffend ist, botanisch gesehen sind es Bohnen (Vigna mungo), verwandt mit den Mungs und A(d)zukis. Für die Verwendung in der Küche spielt diese Begriffsverwirrung aber keine Rolle: Sobald sie mal geschält und halbiert sind, kommen all diese Früchtchen ohne Einweichen aus und haben dennoch recht kurze Garzeiten (die aber durch Einweichen noch weiter reduziert werden können).

Das Foto entspricht übrigens nicht ganz dem notierten Rezept: Ich war nämlich nicht sicher, ob die Zugabe von Minze nicht einen Menthol-Overkill bedeuten würde, da ich ja auch die Köfte mit Minze gewürzt hatte. Deshalb hab ich nur eine Hälfte der Linsen geminzt, geknipst aber die andere. Der Geschmackstest fiel aber eindeutig zu Gunsten der Minzversion aus: also immer rein damit. :-)

Möhren-Aprikosen-Köfte und weiße Linsen

Köfte:
500 g Möhren, in etwas Salzwasser gegart und zerstampft
175 g kleine Aprikosen (entsteint gewogen), klein gewürfelt
75 g Zwieback, fein zerbröselt
15 g Pinienkerne, gehackt
4 Stängel Minze, gehackt
2 Knoblauchzehen, fein gehackt
1-2 großzügige Messerspitzen sehr scharfe getrocknete Chili, gemahlen
1 Ei
Salz & Pfeffer, aus der Mühle
Mehl, zum Wenden
2 EL Ghee, zum Braten
Öl, neutral, zum Braten

Linsen:
1/2 EL Ghee [1]
1 Zwiebel, fein gewürfelt
150 g Urad Dal, geschält und halbiert, abgespült
450 g Wasser
1/2 EL Ghee [2]
1 Zitrone, Scheiben
1 Zitrone, Saft
3-4 Stängel Minze, gehackt
Salz & weißer Pfeffer, aus der Mühle

Für die Linsen die Zwiebelwürfel in Ghee [1] anschwitzen, aber keine Farbe nehmen lassen. Wasser und Linsen zugeben, aufkochen und zugedeckt etwa 20 Minuten garen, bis sie weich, aber noch bissfest sind. Ghee [2] in einer kleinen Pfanne erhitzen, Zitronenscheiben beidseitig kräftig anbraten, rausnehmen und beiseite stellen. Minze ins Fett geben, einmal durchschwenken, Zitronensaft zugießen und kurz aufkochen. Unter die Linsen mischen, mit Salz und Pfeffer abschmecken und mit den Zitronenscheiben anrichten.

Für die Köfte alle Zutaten (außer Mehl und Fett) vermengen. Das ergibt eine patzig-klebrige, aber formbare Masse – sollte sie zu weich sein, Semmelbrösel zugeben. Esslöffelweise zu Kugeln oder Plätzchen formen, diese in Mehl wenden und beidseitig bzw rundherum bei mittlerer Hitze in nicht zu knapp bemesserner Ghee-Öl-Mischung knusprig braten.




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1 Kommentar(e):

lamiacucina meint:

Schon wieder eine neue Hülsenfrucht kennengelernt. Erstaunlich, wie vielfältig die daherkommen.