Mittwoch, 13. Februar 2008

Tierisch gut: Blutwurst selbst gemacht


Rinder-Blut

Über Menschen, die kein Fleisch essen, kursieren wildeste Gerüchte. Verhärmte Genussfeinde mit missionarischen Ambitionen seien sie, die jedem, der sich nicht wehren kann, ihre verquere Ernährungsweise aufzwingen wollten, heißt es. VegetarierInnen dieses Typs kennen zu lernen, war mir bisher leider nicht vergönnt. Hingegen kenne ich gar etliche überzeugte FleischesserInnen, die sich vor rohem Fleisch dermaßen ekeln, dass sie im Supermarkt bevorzugt zu abgepacktem, passend zerkleinertem und bereits gewürztem Fleisch greifen, das sie zuhause mit abgewandtem Blick und unter peinlichster Vermeidung direkter Berührung in Topf oder Pfanne werfen können. Von Innereien reden wir am besten gar nicht erst - Fleischessermimöschen werden reihenweise blaßgrün im Gesicht, wenn ihnen Leber, Nierchen, Bries oder Beuschel vorgesetzt werden, und Kutteln gar bewirken schon bei ihrer bloßen Erwähnung Ohnmachtsanfälle. :-)

Die gstandene Vegetarierin ist da deutlich härter im Nehmen, zur Freude der Carnivoren in der Familie, die regelmäßig mit den genannten Schmankerln verwöhnt werden. Meist werden die feinen Stückchen roh serviert, gelegentlich aber auch gekocht, gebraten oder geschmort. Die bepelzten Damen und Herren sind schließlich Feinschmecker und brauchen Abwechslung. (Und wenn ich jemals einen humanoiden Fleischesser treffe, dessen Gesicht blanke selige Verzückung spiegelt, wenn der intensiv aromatische Duft von gut abgelegenem rohem Pansen seine Nase trifft, dann darf der auch von Genuss und Fleischeslust schwärmen, ohne dass ich ihn der Unglaubwürdigkeit zeihe. :-) )

Blutwurst mit Pansen, selbst gemacht

Blutwurst mit Pansen

500 g Rinderblut
250 g Pansen, grün (=roh), grob gewolft
50 g Möhren, grob geraspelt
25 g Hirse
25 g Haferkleie
25 g Getreideflocken, gemischt
10 g Rindernierenfett
5 g Kräuter, gemischt, getrocknet
5 g Salz

Alles gut vermengen, in Einmachgläser füllen und bei 100 Grad im Wasserbad etwa 1 Stunde garen, bis das Blut gestockt ist. Herrn Hund mit Bällchen und Stöckchen ablenken, bis die Blutwurst so weit abgekühlt ist, dass sie ohne Entstehung von Brandblasen auf der Zunge verzehrt werden kann. :-)

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13 Kommentar(e):

ostwestwind meint:

Tja, ich bin zwar keine eingefleischte Vegetarierin, aber 20 Jahre in der Überwachung für Fleisch und Fisch lassen einen fast dazu werden. Es geht doch wirklich nichts über Pansen oder gesalzene Därme, die später als Wurstumhüllung dienen, nicht zu vergessen, das unvergessliche Erlebnis so eine appetitlich ausschauende Blutwurst wieder in ihre Einzelteile zu zerlegen :-)

Nysa meint:

naja... bin auch keine 100%ige Vegetarierin - aber manche Sachen brauch ich nicht :-)

Hedonistin meint:

@Nysa - Ich würde ohne sicher nix vermissen, aber der Zoo sieht das anders. Und als Sklavin hat frau nicht so die Wahl. :-)

@Ostwestwind - Als ich mich an Pansen gewöhnt hatte, dachte ich, mich und meine Nase könnte nix mehr erschüttern. Dann kam der erste Blättermagen ... :-)

einfachkoestlich.com meint:

Ich möchte zwar nicht mit deinen hochverzückten Essern tauschen, die dir sicher nicht einen Millimeter von "der Pelle" weichen werden. ;)
Andererseits gibt es auch köstliche Innereien für verwöhnte Zweibeiner, es muss ja nicht unbedingt Hirn, Lunge oder Kutteln sein. Wer sie nicht mag, der lässt sie halt weg.
Wuff!

ostwestwind meint:

Ja, es geht doch nichts über Blättermägen und sonstige gut abgelagerte Sachen ;-)

Barbara meint:

Immer wieder ein interessantes Thema ! :-)

Wo kriegt man denn frisches Rinderblut her? Für unsere Getigerten koche ich auch ab und zu, aber nicht ganz so exotisch.

Kutteln liebe ich übrigens!

HAL9000 meint:

Sorry, aber ich mag lieber anonymes Tier, Leber geht gerade noch so, bei Nieren wird's grenzwertig und bei allem anderen aus der Bauchhöhle bekomme ich spontanen Würgereiz.

Aber ein lecker gekochter Känguruh-Anus - wer kann da schon nein sagen? :-D

kulinaria katastrophalia meint:

Der Verwöhnfaktor für bepelzte MitbewohnerInnen ist aber hoch angesiedelt ;-)

Hedonistin meint:

@einfachköstlich - ich meine, dass der Mensch alles essen kann, aber keinesfalls muss, wenn er nicht mag. :-)

@Barbara - Kutteln hab ich früher auch selbst gern gegessen, im Steirischen haben sie ja u.a. als Flecksuppe Tradition. Am Fleischmarkt ist mir in den letzten Jahren aber aufgefallen, dass Rinderpansen praktisch nur bei den Tierfutterhändlern zu kriegen ist, während Lammpansen auch von den "normalen" Fleischern angeboten wird.
Blut krieg ich beim Futterhändler, der bietet einmal im Monat Schlachtfrisches, da werden auch Sonderwünsche erfüllt. (Meine Grenze ist übrigens bei frischen Rindernasen im Stück erreicht, das geht gar nicht.)

Nysa meint:

@hedonistin: da bin ich dabei :-) wusstest du schon, dass es einen pralinenclub gibt?? http://www.pralinenclub.de/

KochSchlampe meint:

Ich bin auch immer wieder überrascht, als Vegetarierin, wie verzärtelt der eine oder andere Fleischesser ist. Schon wenn es nur darum geht, einen Fisch fachgerecht zu zerlegen, scheitern ja viele.
Das konnte neulich eine Mit-Vegetarierin nicht sehen und hat die restlichen Fische mit einem: "Dieses Zerfleddern hatten die Fische wirklich nicht verdient!" der Carnivorin entwendet und ordentlich zerteilt.
A propos Innereien: meine ehemalige Mitbewohnerette bekommt im heimatlichen Schwabenland inzwischen keine Hühnermägen mehr zu kaufen. Sie ist dann immer glücklich, dass es die in Berlin ob des großen Türkenanteils immer noch zu kaufen gibt.

Schnuppschnuess meint:

Ich sehe immer noch meinen Onkel Franz, den Metzger, mit dem ganzen Arm im Blut rühren, wenn er Blutwurst herstellte. Danach leckte er genüsslich den Arm ab, um zu probieren. Mich hat es als Kind gegraust, trotzdem esse ich Blutwurst gerne. Paradox, gell?

Hedonistin meint:

@schnuppschnuess - Nicht wirklich paradox, find ich. Ist ja ein kleiner Unterschied, ob du die Wurst vom eigenen Teller isst oder von Onkel Franzens Arm leckst. :-)

Obwohl, wenn ich mir nun vorstelle, dass früher, als ich sowas noch aß, vielleicht mal eine Blutwurst auf meinem Teller war, in der vorher Onkel Franzens Arm steckte ... huch. :-)