Sonntag, 28. Februar 2010

Abgekupfert: Kakao-Schnecken


Kakaoschnecken

Beschämt stell ich mich ganz hinten in die Reihe jener, die Anikós geniale Kakaoschnecken nach ungarischem Rezept nachgebacken haben. Diese gar wunderbaren Teilchen sind ja schon quer durch die Blogs gewandert und haben allerorten Jubel ausgelöst. In den ich nur lauthals einstimmen kann: So fluffig! So flauschig! Warum hab ich nur so lange gewartet? Zur Strafe musste ich sie gleich zweimal hintereinander backen, denn die erste Partie war schneller weg, als ich sie fotografieren konnte. Diese Dinger sind einfach göttlich - und falls es da draußen wen gibt, der oder die sie noch nicht probiert hat: nachbacken, unbedingt! :-)

Das Geheimnis dieser Schnecken ist das Milchbad, das sie während des Backens genießen dürfen. Der ohnedies schon recht weiche Teig kriegt so noch zusätzlich Flüssigkeit und dankt es mit jener Flauschstruktur, die zum Jubilieren verführt. Und weil er im Unterschied zu Dampfnudeln oben ohne badet, also ohne Deckel, gibts auch eine schön goldene Oberfläche. Das fällt bei den Kakaoschnecken nicht so auf und ist auch nicht wichtig - wohl aber bei den Buchteln, die ich testhalber mitgebacken habe. Und weil ich grad so schön am Experimentieren war, hab ich einen Teil der Buchteln in einer Extraform gebacken und sofort in ein heißes Milchbad gesetzt, statt sie erst nach der halben Backzeit zu duschen. Ergebnis: So gut sind mir Buchteln noch nie gelungen. :-) Schnecken werde ich aber auch weiterhin erst zur Halbzeit gießen: Wenn die von Anfang an im Bade säßen, würde, so fürchte ich, einiges vom Kakaopulver ausgeschwemmt werden.

Übrigens hatten Zorra und Frau Sammelhamster erwähnt, dass bei ihren Schnecken am Ende der Backzeit noch Milch in der Form war. Mir scheint, dass bei diesem Rezept - ähnlich wie bei Dampfnudeln - die Flüssigkeitsmenge nicht nur von der Teigmenge abhängt, sondern auch von der Formgröße. Beim ersten Versuch hatte ich eine etwas zu große Form verwendet, wo eine halbe Reihe frei blieb: Da war nach der vorgesehenen Backzeit alle Milch aufgesogen oder verkocht. Bei der zweiten Partie haben die Teilchen die Form gut ausgefüllt, die Milch stand höher darin und war am Ende noch nicht ganz weg - sowohl bei den Schnecken als auch bei den Buchteln, die vom Start weg im Bad saßen. Fünf Extraminuten auf der untersten Schiene lösten das Problem - btw, eine Glasform ist praktisch, da kann frau auch von unten gucken, wie die Dinge sich entwickeln -, alle Milch weg, bis auf ein wenig Haut am Rand.

Schneckenhaut

Ach ja, beim zweiten Durchgang habe ich das im Rezept vorgesehene Eigelb ersatzlos gestrichen - ich wusste schon bei der ersten Partie nicht, was ich mit dem übrigen Eiweiß anfangen sollte -, hat nicht wirklich geschadet. Auch die Butter im Milchbad hab ich weggelassen, und nur die fertigen Teilchen mit etwas Butter bepinselt, damit sie glänzen. Und den Kakao hab ich leicht gewürzt: einmal mit etwas Kardamom, das andere Mal mit Espressopulver. Kardamom war gut, Kaffee war besser. :-)

Kakaoschnecken

Teig:
300 ml Milch
50 g Butter
1 Pk Trockenhefe
25 g Zucker
1 Eigelb
500 g Mehl
1/2 TL Salz

Füllung:
10-11 TL Puderzucker
5 TL Kakaopulver
1 TL Instant-Espresso-Pulver

Außerdem:
150 ml Milch, erwärmt, zum Fertigbacken
1-2 TL Butter, nach Belieben, zum Bestreichen

Temperatur: 180 Grad, O/U-Hitze, vorgeheizt
Backdauer: 30-35 Minuten
Form: Auflaufform (ca 1/2 - 2/3 Backblechgröße), gefettet

Für den Teig Trockenhefe und Zucker mit ein wenig von der Milch verrühren. Restliche Milch erwärmen und die Butter darin schmelzen, allenfalls etwas abkühlen lassen. Hefe- und Milchmischung mit Eigelb, Mehl und Salz zu einem weichen, aber seidig glatten Teig kneten. Zugedeckt zu doppeltem Volumen aufgehen lassen. Abschlagen, nochmal kurz durchkneten und nach kurzer Rastzeit rechteckig ausrollen. Kakao, Puderzucker und Espressopulver mischen und auf den Teig sieben. Aufrollen und in Scheiben von 3 cm Dicke schneiden. Mit nicht zu viel Abstand in die Form legen und nochmal 15 Minuten gehen lassen.

Auf mittlerer Schiene 15 Minuten backen. Dann mit der warmen Milch begießen und weitere 15-20 Minuten backen, bis die Milch aufgesogen ist. Allenfalls auf die unterste Schiene wechseln. Fertige Teilchen nach Belieben noch heiß mit etwas Butter bepinseln.


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15 Kommentar(e):

süße-hex meint:

jetzt hat es dich auch erwischt :-)) herrlich sehen deine Schnecken aus. und die Idee mit dem espressopulver finde ich klasse. liebe Grüße Karin

rike meint:

Wow, die sehen echt zum Anbeißen aus!! Ich komme leider nicht so oft zum Backen derzeit... Die Tips mit der Backform sind gut, danke dafür!

zorra meint:

Das mit der Grösse der Form und der Milch stimmt wohl. Ich habe nämlich eine ziemlich kleine Form verwendet, die Schnecken schmiegen sich schon vor dem Aufgehen aneinander. Mit Kaffee, klingt köstlich!

nata meint:

Das mit der Form stimmt schon. Ich habe zwei Schnecken in einer winzig kleinen Form gebacken und den ganzen Rest in einer größeren Form. In der großen Form war nichts von Milchresten zu erkennen. In der kleinen Form blieb so eine braune Milchhaut zurück wie sie auch hier auf dem Foto zu erkennen ist. Eigentlich sehe ich keinen Nachteil darin, denn ein Fußbad hatten beide Ladungen nict. Das Rezept ist rundum ein Volltreffer.

Anikó meint:

Das mit der Haut hatte ich irgendwie nicht, zum Glück mag Haut aus/auf Milch so überhaupt nicht *sichschüttel* Aber die Idee mit dem Kardamom im Kakao ist super, das nächste Mal dann :) Freut mich, dass sie Euch so schmecken :-)

sammelhamster meint:

So langsam arbeiten wir uns gemeinsam zur Optimalen Kakaoschnecke hoch :-D

Merisi meint:

Zum Glück hatte ich zum Tee heute was Süßes (vom Töchterchen gebackene Muffins), ansonsten würde ich womöglich jetzt noch Kakao-Schnecken backen gehen!

Ich setze meine Buchteln in ein Fußbad aus süßem Rahm und Zucker, das gibt einen schönen karamelisierten Boden! Habe ich von meiner Großtante gelernt. Ich benutze auch immer noch ihre 29/18 Riesswerke Email Bratlrein hiefür.

tobias kocht! meint:

Ganz toll, kommt auf den nächsten Sonntagsfrühstückstisch.

Lethe meint:

Oh, das Rezept liest sich wunderbar. Die werden nachgebacken!

Hedonistin meint:

@Merisi - Da hast du jetzt was angerichtet - nun "muss" ich heute gleich wieder Buchteln machen. Mit Sahnefußbad. :-) Auch in der Emailform übrigens - die ist toll zum Backen und hat zudem sowas nett Nostalgisches. :-)

Petra meint:

Ich liebäugle ja schon eine Weile mit den Schnecken, aber nachdem ich sie bei dir auch noch gesehen habe, bin ich endlich zur Tat geschritten. Wieso so spät? Sie sind köstlich, waren null komma nichts verputzt und hinterliesen selige Herren. Danke für den letzten Schubs!
Viele Grüße

Merisi meint:

Oh, da bin ich aber neugierig! ;-)

Kennst du auch ausgezogenen Apfelstrudel in der Bratlrein gebacken? Wenn er fast fertig gebacken ist, mit Vollmilch übergießen und weiterbacken, bis die Milch aufgesogen ist. Wird heiß aus dem Suppenteller gegessen: Stück Strudel rein, ein Finger hoch mit kalter Milch umgossen. Schmeckt herrlich, der karamelisierte Boden des Strudels wird etwas angeweicht, die kalte Milch und der heiße Strudel ergeben die perfekte Temperatur. Und jetzt alles brav auflöffeln! ;-)

Stefanie meint:

Ja, die Kakao-Schnecken stehen bei mir auch auf der Nachbackliste. Deine sehen auf jeden Fall köstlich aus. Ich weiß nur nicht, ob ich lieber die Kardamonvariante oder die Espressovariante probieren soll... Schwere Entscheidung!
Bei den Buchteln kann ich empfehlen, in die warme Milch noch etwas Zucker (so etwa 2 El) und Butter (ebenfalls 2 EL) zu geben. Dann bekommen sie beim Backen eine wunderbare Karamellkruste an der Unterseite. Bei uns heißen sie dann Rohrnudeln.

Hedonistin meint:

@Merisi - Ich habs getan. :-) Allerdings war ich zu großzügig mit der Sahne. Bis da unter den Füßen was karamellisiert wäre (also unter den Füßen der Buchteln :-) ), wären sie oben verbrannt gewesen. So hatte ich den Karamelleffekt nur an den seitlichen Rändern - aber das hat genügt, um mich wissen zu lassen, dass ich das wieder haben will. Auch unter den Füßen. :-)
War aber so auch sehr fein: Ich hatte die Sahne mit Vanillezucker gesüßt und so ergab sich aus der nicht aufgesogenen/verkochten Sahne quasi eine integrierte Vanillesauce. Sehr lecker. :-)

Den bemilchten Strudel probier auch noch - wahrscheinlich werd ich ihn im ersten Versuch ersäufen. :-) Aber am Teller kalte Milch dazu - das ist nix für mich. Richtig heiße Milch mag ich gern, aber kalt oder laupipi ... *schauder* Kalt geht nur als Milchshake oder so, mit ganz viel anderem Geschmack drin. :-)

@Stefanie - Das mit dem Karamell hätte mir schon viel eher jemand sagen müssen. Was ist mir da entgangen über all die Jahre und gefühlt abertausende Buchteln! :-)

@Petra - Ich hab mich ja auch gefragt, warum ich so lang gewartet habe. Die Dinger sind großartig. Dass deine anspruchsvollen Herren sie mochten, ist der beste Beweis. :-)

Zimtapfel meint:

...kommen gleich in meinen Ofen! :-)