Freitag, 26. Februar 2010

Augenschmaus: Kochlöffel aus Olivenholz


Kochlöffel aus Olivenholz

Wirklich erklären kann ichs nicht, aber es ist, wie's ist: Mit antihaftbeschichtetem Kochgeschirr kann ich mich nicht anfreunden. Teflon mag gut sein für Mondraketen, Töpfe und Pfannen in der Low Budget-Küche sind aus Edelstahl oder aus Email. Gusseisen mag ich auch, ist mir aber angesichts des Gewichts und meiner Tollpatschigkeit am Cerankochfeld doch zu riskant. :-)

Den unempfindlichen Oberflächen meiner Töpfe ists völlig egal, womit ich darin herumfuhrwerke. Mein Lieblingspfannenwender ist ein Erbstück aus Großmutters Küche: ein metallener Methusalem - in jahrzehntelangem Gebrauch fast messerscharf abgeschliffen -, der sensible Antihaftbeschichtungen panisch flüchten ließe. Der alte Kratzer zählt aber zu den Ausnahmen. Denn ungeachtet des robusten Kochgeschirrs bevorzuge ich streichelzartes Rührgerät, in Bio-Qualität quasi: Kochlöffel, Pfannenwender & Co müssen nach Möglichkeit aus Holz sein. Exemplaren aus Plastik ist der Zutritt in die Low Budget-Küche streng verwehrt, und von der aktuellen Mode, mit Silikonschabern in Töpfen zu rühren, reden wir gar nicht erst, das ist für Softies. ;-)

Ich will nicht behaupten, dass hölzerne Kochlöffel völlig unverwüstlich sind, aber doch so gut wie. Mein ältestes Exemplar hatte schon die Vorfahrin in Gebrauch. Nach vielen Jahrzehnten fleißigen Rührens ist er zwar ein wenig abgeflacht, aber wo ein Plastikkollege - wenn er denn überhaupt so lange hielte - bloß unsehnlich geworden wäre, ist der Holzlöffel in Würde gealtert ...

Sehr alter Kochlöffel

... und natürlich immer noch in Verwendung. Insofern gabs keinen Grund, meine Sammlung an Rührwerkzeugen zu erweitern, und ich hatte die Haushaltswarenabteilung des Supermarkts eigentlich nur aufgesucht, um Muffinförmchen zu erwerben. Aber als ich die Olivenholz-Kochlöffel sah, wars um mich geschehen. Ich war auf der Stelle verliebt und musste so ein Ding haben. Statt der gedachten zwei, drei Minuten verbrachte ich ein Vielfaches dieser Zeit am Regal, um sorgsam den allerschönsten der schönen Löffel auszuwählen, von denen keine zwei gleich aussehen. Vermutlich würden selbst stümperhaft geschnitzte Olivenholzobjekte immer noch Kunstwerken gleichen, denn die wilde Maserung in Farben von hellstem Ocker bis zu einem dunklen Tannenhonigton schafft wunderschöne abstrakte Bilder.

Pfannenwender aus Olivenholz

Dieser Pfannenwender ist ganz neu - und doch schon einige hundert Jahre alt: Olivenbäume werden erst gefällt und verwertet, wenn sie nicht mehr tragen. Und das dauert nahezu ewig. Die Bäume wachsen unter relativ kargen Bedingungen äußerst langsam, was dem Holz nebst der außergewöhnlichen Maserung auch eine hohe Dichte verleiht, die es ziemlich unempfindlich macht. Der Hersteller meines neuen Kochlöffels preist das Produkt denn auch folgerichtig als spülmaschinenfest an - was ich aber selbst dann nicht austesten würde, wenn ich so ein Gerät besäße: Es wäre doch zu schade um die mattseidig glänzende Oberfläche, die unter der rüden maschinell-chemischen Behandlung doch leiden könnte.

Übrigens: Küchenhelfer aus Olivenholz sind zwar auch in diversen Online-Shops erhältlich - aber ich finde, sie sind ein Fall für den höchstpersönlichen Einkauf im Laden vor Ort. Gestressten VersandmitarbeiterInnen die Auswahl von Objekten überlassen, die so unterschiedlich ausfallen können und die frau viele Jahre vor Augen haben wird? Nee, das mach ich lieber selbst. Und jetzt, wo ich weiß, wie lang das ob meiner Entscheidungsschwäche dauert, nehm ich nächstes Mal auch Herrn Hund nicht mit. Dann muss er nicht gelangweilt vorm Laden heulen und ergo auch nicht vom Betreiber des nahen Imbissstands mit Würstchen ruhiggestellt werden, was den Löffelpreis doch etwas in die Höhe treibt. :-)


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9 Kommentar(e):

Freundin des guten Geschmacks meint:

Da bin ich ganz Deiner Meinung. Ich finde die hölzernen Löffel auch hinreissend. Das gleiche gilt auch für Bretter. Werde mich demnächst auf Mallorca wieder gut damit eindecken.

katha meint:

die neuen keramischen antihaftversiegelungen (von silit, wmf, greenpan u. a.) halten sehr viel mehr aus (vor allem auch die hitze einer ordentlichen gasflamme) und sind gesundheitlich unbedenklich.

aber was ich eigentlich wissen will: wo ist deine olivenholzkochlöffelquelle? ich habe mir gerade vor zwei tagen meinen schönen ebenfalls aus olivenholz zwar nicht gerade ruiniert, aber durch schrubben (war sehr käsepickig) mit der "grünen" seite vom schwamm zumindest aufgeraut. der seidenmatte glanz ist dahin, dabei habe ich ihn bloss dieses eine einzige mal verwendet (bisher die normalen holzkochlöffel, der war mir immer "zu schade", weil so schön). jetzt ärgere ich mich und überlege, wie ich ihn wieder glatt bekommen könnte. feines schmirgelpapier? öl? keine ahnung.

Cherry Blossom meint:

Sehr schöner Löffel. Ich habe die auf der Ambiente gesehen und schweren Herzens stehengelassen wiel die nichts für die Profiküche sind - aber privat hätte ich sehr gerne welche!

Zimtapfel meint:

Oh ja, schön! Um diese Löffel schleiche ich in diversen Läden auch immer mal wieder rum.

@katha: Ich würde den Löffel mit ganz feinem Schmirgelpapier ganz leicht abreiben und ihm dann vielleicht noch ein paar Tröpfchen Pflanzenöl gönnen. Olivenöl müsste ja gut passen. :-)

Hedonistin meint:

@Katha - So gut können die gar nicht sein, dass ich sie mögen würde - ich finde Antihaftversiegelungen einfach unsportlich. :-)

Den Löffel würd ich, wenn er nur ganz leicht angeraut ist, geduldig (und großzügig) ölen und polieren. Wenn das nicht reicht, feines Schmirgelpapier, wie Zimtapfel schreibt, und dann nochmal ölen. Mit Olivenöl natürlich. :-)
(Von den grünseitigen Schwämmen bin ich abgekommen, ich nehm nur noch welche mit "softer" Kratzseite, die richten nicht so viel an.)
Ach ja, den Löffel hab ich vom Interspar.

katha meint:

dann werde ich nun zur ölung schreiten.

beim fisch braten bin ich gerne unsportlich. diese neuen pfannen schauen auch überhaupt nicht mehr wie die teflon-dinger aus, sehr harte (eben keramische, wie emaille) oberfläche. im gegensatz zu den holzkochlöffeln bin ich bei solchen dingen gar nicht "retro".

rike meint:

Ich habe zwei beschichtet Pfannen, die sind echt wie Gusseisen, benutze sie genau gleich. Mir sind die richtigen einfach nur zu schwer. Kommt aber sehr aufs Fabrikat an, S*lit und F*ssler habe ich gute Erfahrungen gemacht, die vom W habe ich irgendwann verschenkt. Kaufe solch schöne Löffel gerne auf Märkten! Bei Induktion schmelzen auch die besten Plastikdinger an...

kochschlampe meint:

Ich muss Olivenholzlöffel immer vor der Katze in Sicherheit bringen. So gern ich sowohl Frau Katz als auch die Olivenholzlöffel mag. Ich mag es nicht, wenn der Tiger die Löffel alle liebevoll abschleckt.

Hedonistin meint:

@Kochschlampe - Frau Katz hat eben einen exzellenten Geschmack. :-)

@Rike - Das ist auch so ein Punkt ... Ich koche meine Löffel gerne mit. Also nicht wirklich gern, es passiert einfach irgendwie, dass sie meistens im Topf bleiben. :-) Bei Kunststoff ist mir das suspekt, wer weiß, was für Stoffe da vielleicht gelöst werden. Alternativ plumpst das Rührwerkzeug schon mal auf eine leere, aber noch heiße Platte - kommt bei Plastiklöffeln auch nicht gut. :-)

@Katha - Ist der Löffel wieder seidenglatt?

Und zur keramischen Beschichtung noch eine Frage: Wie siehts denn da mit der Verträglichkeit von mechanischer Beanspruchung aus? Kratzen mit dem alten Pfannenwender, oder auch mal Messerschnitte (soll ja Leute geben, die sich direkt in der Pfanne ein Stück Leckerchen absäbeln ;-) ) - hälts das aus?