Mittwoch, 17. Oktober 2007

Nuri-Brotbällchen


Kann es wirklich jemanden geben, der den Gewürzsardinendosenklassiker schlechthin nicht kennt? Bis gestern hätte ich dagegen gewettet. Nun aber weiß ich, dass ich mit diesem Jemand sogar unter einem Dach wohne. Dem Gefährten war "Nuri" tatsächlich kein Begriff. Dabei leuchten sie doch mit dem kräftiggelben, leicht orientalisch anmutenden Etikett im Supermarktregal förmlich aus der mausgrauen Masse der Konkurrenz heraus – und wirken dort eigentlich sogar etwas deplatziert:

Nuri

Eine so verpackte Konserve müsste mensch beim Greißler, nein, beim Kolonialwarenhändler erwerben dürfen. Aber die sind ja praktisch ausgestorben. Die Sardinen zum Glück noch nicht – kaum aus dem Atlantik gefischt, werden sie im portugiesischen Matosinhos in kleine Dosen gezwängt, wo sie in feinem Olivenöl baden, zusammen mit einem blassen Scheibchen Gurke, einem fahlen Karotteneckchen und einer knallroten Piri-Piri-Schote. Die ist nicht ganz so scharf wie rot, und übertönt nicht das feine Aroma der Sardinen, die ihrerseits saftig und mürb, aber schön fest sind. Und sich gegenüber normalen Ölsardinen auch dadurch auszeichnen, dass mensch beim Öffnen der Dose nicht von einer gierigen Katzenmeute mit fünftausend spitzen Krallen bedrängt wird. Sondern nur von einer einzelnen Katzendame, von jener, die Chilis auch gern frisch von der Staude futtert. :-)

Die scharf-würzigen Fischlein bieten schnelle Hilfe bei Heißhungerattacken - mit einer Portion Nudeln vermengt oder ganz einfach zu frischem Brot. Nicht ganz so schnell, aber noch besser: die Sardinen mit Brotteig umhüllen und backen.

Nuri-Brotbällchen

Nuri-Brotbällchen

Teig:
250 g Mehl
125 g Wasser
50 g Sauerrahm
5 g Salz
3 g Trockenhefe
1 TL Olivenöl

außerdem:
etwas Olivenöl
1/2-1 TL Honig
Salz, nach Belieben
Chili, nach Belieben

Füllung:
1 Dose Nuri-Sardinen, 125 g
2-3 Knoblauchzehen, fein gehackt
1 kleine rote Chili, fein gehackt, nach Belieben

Temperatur: 175 Grad (Ober-/Unterhitze), vorgeheizt
Backzeit: ca 40 Minuten
ergibt: 9-10 Bällchen

Für den Teig alle Zutaten gründlich kneten, bis ein seidig glatter, elastischer Teig entstanden ist. Abgedeckt auf doppeltes Volumen aufgehen lassen. Abschlagen, zur Kugel reiben und 10 Minuten rasten lassen.

Das Öl aus der Sardinendose in eine kleine Pfanne gießen und den Knoblauch darin sanft anschwitzen. Restlichen Doseninhalt und nach Belieben Chili zugeben und kurz braten, Sardinen dabei zerkleinern. Etwas abkühlen lassen.

Den Teig ausrollen und in Stücke teilen. Jeweils einen Löffel Sardinen in die Mitte setzen, Teig darüber schließen und kugelig formen. Jede Kugel in Olivenöl tunken und in eine Form legen (ruhig auch übereinander). Nochmal gehen lassen, dann ins Rohr schieben. Honig mit ein paar Tropfen Wasser und nach Belieben etwas Salz und/oder Chilipulver verrühren und etwa 10 Minuten vor Ende der Backzeit die Brotbällchen damit bestreichen.

Heiß, warm oder kalt servieren.

Brötchen, mit Nuri-Sardinen gefüllt

Pin It

12 Kommentar(e):

Tanja meint:

Sieht extremst lecker aus. Meine Katzenmeute hätte ich bei der Zubereitung dieser Leckerei wahrscheinlich mit allen 4 Pfoten am Bein hängen :)
P.S.: Ich kannte Nuri bis jetzt auch noch nicht.

KochSchlampw meint:

Ich muss gestehen, dass ich diese Schachteln bisher nie auch nur gesehen habe.... aber hübsch sindse!

Hedonistin meint:

Hab vorhin gesehen, dass Tante Google überwiegend österreiche Trefferseiten zu Nuri-Sardinen auflistet - vielleicht werden die Fischlein speziell für den Export nach Ö geschärft und eingedost? Oder nur hier unter diesem Namen angeboten? Hierzulande sind sie jedenfalls seit Jahrzehnten bekannt und wirklich ein Klassiker.

KochSchlampe meint:

Ja, ich habe mal nach der Firma geschaut, die die herstellen. Es sind Österreicher:

nuri

Wahrscheinlich bekommt man die hier (in Berlin) nur in kleinen Spezialitätengeschäften.

:-)

Hedonistin meint:

Nene, das ist der Generalimporteur für Österreich, hergestellt werden sie in Portugal, von Pinhais & Ca.

Petra meint:

Auch ich hab die noch nie gesehen...

Anonym meint:

Hedonistin, wieder mal werd ich blass ob deiner Ideen :-)

Übrigens diese Nuri gibts auch in verschärfter Version, dann sind sie in kleidsames Hellgrün gekleidet, und um ein paar Ticks schärfer :-)

Dein Fan

Hedonistin meint:

Weiteres Googeln hat ergeben, dass D im Gegensatz zu Ö nicht zu den Hauptexportländern des Produzenten gehört - insofern gehen die Nuri-Sardinen fast als österreichische Spezialität durch. :-)

@Fan - in den grünen Nuri sind aber auch Tomaten, oder?

Nysa meint:

tja... als portugiesin kenn ich diese schönen konservendosen. doch so schön sie auch sind, sardinen mag ich trotzdem nicht. dein gericht schaut aber trotzdem lecker aus. mit thunfisch wäre es doch sicherlich auch möglich, oder? lg

Anonym meint:

@hedonistin, Tomaten hätte ich nicht gesichtet.
Visuell kein Unterschied, nur die Schärfe ist mir aufgefallen.

Hedonistin meint:

@Fan, ich hab heute drauf geachtet beim Einkaufen - die ich meinte, sind ganz zartgrün verpackt, und mit der Aufschrift "in scharfer Tomatensauce". Aber vielleicht gibts ja noch andere, der Supermarkt hier ist bescheiden bestückt.

dr meint:

Wau! Geil!
Ich hab mir heute so eine Sardinendose gekauft, und zwar NUR wegen dem geilen Design. Ich war nämlich wegen einer kurzen Affäre mit Schremser Roggenbier auf der altes-Design-Welle, hab glaub ich im Suff sogar der Firma ein Mehl geschrieben, dass ich das Bier nie wieder kaufen werde, falls sie das Etikett ändern.
Nun, seisdrum, jetzt hatte ich also das Ding geöffnet am Schreibtisch stehen, und ward sofort erinnert an Urlaub in Jugoslawien, das damals noch so geheißen hat. Da haben wir immer kleine Konserven mitgenommen und dann das einheimische frische Weißbrot dazu gegessen. Da ist deines hier eine erregende Erweiterung davon. Aber ein bissi viel Chili ist es schon. Der Fisch aus der Dose ist eh scharf genug.

Das Bild auf dem Papier um die Dose hat sich seit damals nicht geändert, gö?
Das Roggenbier schaut so aus:
http://www.schremser.at/web/index.php/unser-bier/roggen.html?lang=de
Es schmeckt nach banane und Pumpernickel.