Mittwoch, 2. Juli 2008

Topfenknödel


IMI-Werbung 1934

Anno dunnemal war Werbung noch so wunderbar unprätentiös ...

Obiges Inserat findet sich in einem der alten Schätzchen aus meinem Kochbuchregal:

Marsano's Öl-Kochbuch, 1934 Das "Kochbuch für Speisen, die mit Öl zubereitet werden" erschien 1934 schon in 4. Auflage im Eigenverlag des Wiener Ölhändlers Marsano, der also wohl nur gelinde übertrieb, wenn er "allen Hausfrauen das lebhafteste Interesse nach einem guten Oel-Kochbuch" unterstellte. Ein Interesse, das Marsanos Kochbuch auch aufs Lebhafteste befriedigte: Mehr als 750 Rezepte finden sich darin, und ist das Büchlein selbst schmucklos und bescheiden, so sind die Rezepte erstaunlich üppig für eine Zeit nicht eben rosiger Wirtschaftslage.

Erstaunlich üppig? Auch in schlechten Zeiten ist mit Schmalhans-Rezepten wohl kaum das lebhafteste Interesse des gelernten Wieners zu wecken, der auf sein "Papperl" nix kommen lässt. Letzteres musste auch Adolf Loos erfahren, der 1927 in einem Vortrag die Wiener Küche im Allgemeinen ("Pompfuneber-Gastronomie") und die Wiener Mehlspeisen im Besonderen kritisiert sowie dem Wiener an sich unterstellt hatte, er nehme "nicht Nahrung zu sich, um satt zu werden, sondern er isst, bis er platzt". Da ging nicht nur ein Raunen durch den Wiener Zeitungsblätterwald jener Tage, sondern ein Orkan der Empörung, ein "Kochkesseltreiben", wie es Karl Kraus in seiner "Fackel" nannte. Eine vergnügliche Rekonstruktion dieser kulinarischen Staatsaffäre - Wien war immer schon Operette live - ist im Journal Culinaire auch online nachzulesen.

Das "Mehlspeis-Gfrieß", das Loos aus der Wiener Kochkunst glotzen sah, halte ich - wiewohl keine Wienerin - für ein gar liebreizendes Antlitz. Die, wie Karl Kraus es formulierte, "Kunst, aus allem, was die Natur hervorgebracht hat, eine Mehlspeis zu machen", kann nicht hoch genug gerühmt werden, finde ich, auch wenn viel davon gar nicht auf Wiener Mist gewachsen ist, sondern mit Nachhilfe vor allem aus Böhmen entstand.

Auch in Marsanos Ölkochbuch nehmen "diverse Mehlspeisen, Torten und Bäckereien" großen Raum ein; und wenn auch viele der süßen Rezepte nach vier, sechs oder gar acht Eiern verlangen, so findet sich doch auch die eine oder andere sommerlich-leichte Dessert-Idee. Die flaumigen Topfenknödel werden ohne Zucker zubereitet und waren die ideale Begleitung für ein Fruchtpüree aus sehr reifen und sehr süßen Pfirsichen.

Topfenknöderl

Topfenknödel   [ Curd Cheese Dumplings ]

250 g Quark
2 EL neutrales Öl
1 Ei
Salz, etwas
2-3 EL Semmelbrösel

Quark, Öl, Ei und Salz gut verrühren, dann Brösel einmengen und die Masse 10-15 Minuten rasten lassen. Kleine Knödel formen (ich hab ganz faul einen Eisportionierer verwendet) und in Salzwasser in etwa 8 Minuten zugedeckt sieden.

Dazu passt z.B. ein süß-herbes Mus aus in Vanillezucker karamellisierten Pfirischen mit Salbei.

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9 Kommentar(e):

Balu meint:

Was für Quark hast Du genommen? Magerquark?

bolliskitchen meint:

Hoffentlich nicht....ich meine den Magerquark!

In der Küche muss man Gehaltvolles nehmen.....

Klasse, ich liebe Topfenknödel!

sammelhamster meint:

Welcher Quark es war, würde mich auch interessieren, bestimmt hält fettigerer Quark nicht so gut zusammen und das Ergebnis ist eher eine "Topfensoße", zumindest bei mir ist das so :-(

Hedonistin meint:

Ich glaube, es war 10%-Quark, aber beschwören würd ich das nicht, ich hab gar nicht drauf geachtet. :-)

@Sammelhamster - Der Fettgehalt ist eher egal, glaube ich. Bei diesem Rezept wird ja auch noch kräftig Öl zugegeben ... Wichtiger ist, dass der Quark nicht nass ist. Also die Molke abgießen, eventuell sogar den Quark in einem Sieb (und irgendwie beschwert) ein paar Stunden gründlich ausquetschen. Und sicherheitshalber immer erst einen kleinen Probeknödel kochen. Wenn der auseinanderfällt, gibt man noch Brösel oder Grieß oder Mehl zur Masse, bis es passt.

Robin Sue meint:

Hello- I put the Babel Fish translater on my Tool Bar just so I could read your blog! I used to live in Hockenheim but now I am in the USA. I miss Germany. So I thought to find some good German food blogs. I am enjoying your blog. Thank you!

sammelhamster meint:

merci für die tipps!

Hedonistin meint:

@Sammelhamster - Du hast mich doch neugierig gemacht. :-)
Hab mich nun durch einige Kochbücher geblättert: Entweder wird nur Topfen verlangt, ohne nähere Angabe, oder aber Magertopfen. Von "Natur" aus, fiel mir auch noch ein, ist Topfen ja eher nicht fett - aber wo die Grenze ist, weiß ich auch nicht. Man müsste da wohl mal vergleichend experimentieren. :-)

sammelhamster meint:

Es stellt sich auch noch die Frage nach dem Unterschied von Topfen und Quark, bei uns gibt es z.B. nur letzteres...
Wir sollten ein Kochevent Topfen-Quark anregen, da könnte dann interessantes dabei herauskommen :-).

Hedonistin meint:

@Sammelhamster - Vielleicht sollte ich ein österereichisch-deutsches Küchenwörterbuch einrichten? :-)

Topfen und Quark sind grundsätzlich dasselbe, obwohls vermutlich hüben wie drüben noch spezielle regionale Varianten gibt.