Mittwoch, 20. August 2008

Dr. Moros Möhrensuppe

Dr. Moros Möhrensuppe

Herr Hund süppelt gern aus Pfützen. Und zwar umso lieber, je mehr Dreck im Wasser schwimmt. Am liebsten hat er es, wenn in ganz viel Dreck nur ein bisschen Wasser dümpelt. Diese Vorliebe findet ein Herr namens Montezuma gar nicht gut und pflegt daher Rache zu üben. Das wiederum finde ich ganz übel - ist doch Tierquälerei, sowas! - und kontere mit Maßnahmen zur Aufhebung des Fluchs. Als da wären Beschwörungen ("Achherrjenichtschonwiederwirstenievernünftigwerdenduweißtdochdassdirdreckwassernichtbekommt") und das Brauen eines magisch stabreimenden Zaubertränkleins: Moros Möhrensuppe.

Dass Möhren - wie auch Äpfel und Heidelbeeren - gegen gastrointestinale Infektionen helfen, ist der Volksmedizin schon lange bekannt. Die etablierte Medizin pflegt alte Hausmittel gern mal zu belächeln, die Möhrensuppe allerdings fand im Heidelberger Kinderarzt Ernst Moro - bekannt u.a. durch den von ihm erstmals beschriebenen Klammerreflex von Babys - einen Fürsprecher: Möhren, so stellte der Pädiater zu Beginn des 20. Jahrhunderts fest, sind tatsächlich ein probates Mittel gegen Diarrhoe - sofern sie richtig zubereitet werden: Mindestens eine Stunde müssen die Wurzeln kochen, wenn sie helfen sollen, rohe oder knackig gedünstete Möhrchen bewirken nichts.

Die Wirksamkeit des von Dr. Moro entwickelten Rezepts wurde seither vielfach bestätigt, die exakte Wirkungsweise hingegen konnte erst vor wenigen Jahren von Pharmakologen und Medizinern in Wien und Erlangen entschlüsselt werden. Bei den wirksamen Substanzen handelt es sich um bestimmte Galakturonsäuren - Grundbausteine von Pektinen -, die genau jene Rezeptoren im Darm besetzen, die auch von Montezumas bösen Bakterien angesteuert, auf diese Weise aber ausgebremst werden. Die Wirkstoffe sind in den Möhren aber gut verpackt und werden erst durch langes Kochen freigesetzt.

Dr. Moros Möhrensuppe

1 Teil Möhren, grob zerkleinert
2 Teile Wasser
1 gestrichener TL Salz je Liter Suppe

Möhren mit Wasser aufkochen und mindestens 1 Stunde köcheln lassen. Salz zugeben und fein pürieren (oder durch ein Sieb streichen). In kleinen Portionen verabreichen.

Ein bisschen Kümmel oder Fenchel kann zwecks Magenberuhigung zugegeben werden. Fett sollte nicht verwendet werden - ist aber bei sturen Patienten der vierbeinigen Art manchmal nötig, damit die Suppe akzeptiert wird. :-)

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14 Kommentar(e):

Robin Sue meint:

I have been away for a while and checked your blog today and WOW! You make some beautiful desserts. Your photos are beautiful as well.

lamiacucina meint:

ausgedruckt und in die Hausapotheke gelegt. Falls wir mal wieder unbewusst und unfreiwillig aus Pfützen süppeln müssen.

katha meint:

und wie geht's herrn hund? wir hatten in solchen (zum glück extrem seltenen) fällen bei unserer frau hund auf heilerde gesetzt. labradore fressen bekanntlich alles... danke für die ausführliche info zum lange-karottensuppe-kochen, ist mir neu und wird gemerkt.

Eva meint:

Gute Besserung für Herrn Hund...aber wahrscheinlich hat der die nach der guten Suppe und der noch besseren Pflege durch Frauchen nicht mehr nötig?! - Rezept wird unter 'wirksame Hausmittel' abgelegt...für den Fall der Fälle:-)

Marcie meint:

ach herrje, das kenne ich. Unser Herr Hund hat leider die gleiche Vorliebe, da merke ichmir den Tipp doch gleich mal. Und gute Besserung :-)

Chaosqueeen meint:

Frau Hund Q. teilt dieselbe Vorliebe, glücklicherweise hatten wir zumindest aus diesem Grund noch nie Besuch von Herrn Montezuma, wohl aber aus anderen Gründen. Das Rezept wird vermerkt!

kaltmamsell meint:

Habe ich einmal versucht, die totgekochte Möhrensuppe als Heilmittel nach Darminfekt. Ich habe meiner Lebtag nicht solche Blähungen gehabt, wie dadurch ausgelöst. Mag ja meine ganz individuelle Konstitution sein.

Hedonistin meint:

Herr Hund ist wieder fit und beschwert sich bitter: Ein Tag Möhrensuppe sei o.k., meint er, aber der angeschlossene Möhren-Reis-Kartoffel-Tag sei übelste Schikane. :-)

@Katha - Heilerde krieg ich in diesen Hund nicht rein. Der ist sowas von heikel, dass ich mich manchmal frage, wie er jahrelang als Streuner überleben konnte. :-)

@Kaltmamsell - Scheint mir eine ungewöhnliche Reaktion zu sein. Möhren sind ja sogar der übliche erste Babybrei, weil sie so verträglich sind, auch "totgekocht". Aber man kann sichs ja leider nicht aussuchen, worauf man empfindlich reagiert.

Julian R meint:

Ich habe gerade mal eben die Suppe gekocht, weil es mich interessiert hat, wie Karotten nach einer Stunde im Topf schmecken. Meine Menge war 500g Möhren mit 1l Wasser.

Meine persönliche Erfahrung: Die Suppe wird deutlich dünner als auf dem Foto, ich würde in Zukunft eher 1,5 Teile Wasser pro Teil Möhre ansetzen, außerdem mag ich mehr Salz dazu. Pfeffer drauf schmeckt super, und ich mußte mich richtig beherrschen, keine Butter reinzuschmeißen... :-)

Ansonsten aber gar nicht schlecht, kann man sicher auch so servieren. Dann aber mit dem berühmten Sahnehäubchen oder so.

Und wo ich schon kommentiere: Super Blog! Ich lese gerne mit, koche aber eher selten nach. Die Schoko-Holler-Torte neulich sah ja sensationell aus, aber die trau ich mir gar nicht zu. Hab das Rezept einer Hobbybäckerin weitergeleitet, mal sehen, ob sie's macht.

Hedonistin meint:

@Julian - Ertappt. :-) Die rezeptgetreue flüssige Suppe war nicht allzu fotogen, deshalb hab ich etwas Wasser abgegossen.

Für den therapeutischen Einsatz empfiehlt sich aber die dünne Version, um den Flüssigkeitsverlust beim Patienten auszugleichen. Mehr Salz ist sicher kein Fehler, sofern das Süppchen nicht für Säuglinge gedacht ist.

Die Torte sieht aufwändiger aus als sie ist - ich bin faul und schmeiße schnell die Nerven weg, komplizierte Backwerke sind nix für mich. :-) Schmeckt übrigens auch als einfacher Kuchen ohne Füllung gut, vielleicht ein Klecks Sahne dazu, oder cremiges Joghurt, und noch etwas Hollersirup darübergeträufelt ... :-)

Food is just a 4-letter word meint:

Mmhhh, jetzt mal ich Suppe haben - Was für eine tolle Farbe!

Julian R meint:

@ Hedonistin:

Ha, ich bin so schlau! Danke für's Lob! :-)

Die Torte probier ich dann doch vielleicht einmal. Mal sehen. Zunächst aber ringe ich mit dem Gedanken, in Zukunft das Gemüse, das ich beim Schweinebraten aus dem Römertopf abfische, wenn ich eine klare Sauce haben will, zu einer Suppe zu verkochen zu lassen (bisschen Wasser, denke ich, und passieren).

Und: Die Suppe war sehr lecker, auch in der "aufgepeppten" Variante mit Sahne und etwas Butterschmalz. Ich würde sie gern mal als Kürbissuppe (mit Mandelsplittern usw.) servieren und schauen, ob einer was merkt...

rike meint:

Um diesem Effekt vorzubeugen ist bei uns momentan Kürbis der Renner. Denn was nur füllt man dann in Babys Magen, um den dahinterliegenden Darm wieder flott zu bekommen? (Schauergeschichten beim Kinderwagenschieben...)

Anonym meint:

Ich habe schon seit faßt 1,5 Jahren Magen und Darmbeschwerden,bei der Spiegelung wurde nichts gefunden.Reißmagen oder Reißdarm war die Diagnose.Manchen Tag meine ich grad,ich platze,solche Blähungen habe ich.Könnte die Möhrensuppe da auch helfen?Bin schon 73 Jahre und manchmal sehr verzweifelt,weil kein Arzt helfen kann.