Donnerstag, 2. Juli 2009

Von der Not zur Tugend: Marillenknödel mit Oliven


Marillenknödel mit Oliven

Marillenknödel sollte es abends geben, davon hatte ich den ganzen Tag geträumt gestern. Spätnachmittags suchte ich alle Zutaten zusammen, um schon mal den Teig anzurühren - Topfenteig diesmal, der gründlich durchkühlen muss -, und wurde jäh aus meinen Träumen gerissen. Dass keine Biozitrone mehr im Haus war und auch keine Notfallszitronenschale industrieller Abfüllung - nun gut, der Teig wird nicht merklich schlechter ohne. Mehr aus der kulinarischen Bahn warf mich, dass entgegen meiner sicheren Erinnerung kein Weißbrot mehr im Haus war. Auch kein Kuchen, keine Kekse und kein Zwieback. Nichts da, woraus sich klassische Semmelbrösel fertigen ließen. Nochmal raus in die brütende Hitze und zum Supermarkt laufen? Nein. Lieber keine Bröselhülle für die Knödel. Trotzdem nochmal den Brotbeutel durchwühlt, das Innerste nach außen gewendet: Nichts. Jedenfalls nichts Bröseltaugliches. Nur der am Heimweg besorgte Wecken mit den vielen, vielen schwarzen Oliven drin. Wären, so frug ich mich, vielleicht Olivenbrotbrösel besser als gar keine Brösel? Oder schlechter? Während ich noch grübelte, fiel mein Blick auf ein Fläschchen mit Oliven-Vanille-Öl - und die Entscheidung war gefallen. Zu Gunsten nicht ganz klassischer Marillenknödel. Und sie war nicht ganz schlecht, die Entscheidung. Das Ergebnis auch nicht. Der Gefährte nannte es großartig ... :-)

Marillenknödel mit Oliven & Vanille

60 g Butter, weich
1 TL Vanille-Olivenöl
1 Prise Salz
250 g Quark, mager
1 Ei
175 g Mehl
12 Marillen (Aprikosen)
frisches Weißbrot mit schwarzen Oliven
Olivenöl
Vanillezucker (echten natürlich)

Butter mit Olivenöl und Salz cremig rühren. Quark und Ei zugeben, gründlich glattrühren. Mehl untermengen. Teig mindestens zwei Stunden in den Kühlschrank stellen.

Gekühlten Teig auf bemehlter Fläche zu einer Rolle formen und in 12 Scheiben schneiden. Jede Scheibe glattdrücken und eine Marille hineinpacken, Nahtstellen gut verschließen. Knödel in leicht gesalzenem Wasser in etwa 10 Minuten garziehen lassen.

Unterdessen das Brot schreddern und in wenig Olivenöl rösten, bis es fein duftet. Vom Herd nehmen, nach Geschmack Vanillezucker einrühren und die gut abgetropften Knödel darin wälzen.

Tipp: Wie immer bei Knödeln empfiehlt es sich, ein Probexemplar zu kochen. Ists zu weich, etwas Mehl zugeben; ists zu fest, mit ein wenig Butter oder Öl nachhelfen.

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10 Kommentar(e):

kulinaria katastrophalia meint:

So macht sich die Hitze doch noch nützlich bei der ureigensten Entdeckung der Umrundungseigenschaften der Olive ;D

Hedonistin meint:

Ich gestehe aber, dass ich einen Teil der Oliven vor dem Schreddern rausgekletzelt habe. Und die Bröselschicht wurde auch nur hauchdünn gehalten. Hat aber gepasst - Hitzekollaps wäre das größere Übel gewesen. :-)

Chrisou meint:

Hmmm was gäbe ich jetzt für gute Marillenknödl :-))
Endlich bist wieder da!

lamiacucina meint:

da läge doch Schritt zu einem nicht-süssen Knödel auf der Hand: mit ganzen Oliven statt Marillen. Etwas kleiner, dafür gibts mehr davon :-)

Ellja meint:

meiner Meinung nach wahre Kochkunst: improvisieren können! :-)

Bolli's Kitchen meint:

ich dachte schon, beim Titel, statt der Marillen hättest Du die Knödel mit Oliven gefüllt...

mipi meint:

Aus der Not heraus entstehen die besten Innovationen.

Hedonistin meint:

@Hr.L. & Bolli - Danke für die Anregung; ist vorgemerkt. Tatsächlich wär ich willens gewesen, gleich heute ein entsprechendes Experiment mit Bonsaiknödelchen zu wagen, jedoch die Läden hier im Grätzel führen keine entsteinten schwarzen Oliven (grüne mag ich nicht), und ich bin noch vo der Fummelei des Kirschenentkernens bedient. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. :-)

tobias kocht! meint:

das freut sicher der Österreicher in mir, der in Griechenland lebt. Das ist wirklich ein sehr kreative Mischung. Kommt auf die Ausprobier-Liste.

Hedonistin meint:

@Tobias - Aber sparsam bebröseln. Nicht, dass mir dann Beschwerden kommen. ;-)