Samstag, 10. Oktober 2009

Dosenöffner: Aller guten Dinge sind drei

 
Dosenöffner

Menschen sind Gewohnheitstiere. Manche mehr, manche weniger, meinereine ganz extrem - jedenfalls, wenn es um Dosenöffner geht. Der oben abgebildete begleitete mich seit dem Umzug von der Studentenbude in die erste eigene Mehrzimmerwohnung. Und das auch nur deshalb, weil das bis dahin benutzte Teil bei der Übersiedlung auf Nimmerwiedersehen verschwand. Das war ein nahezu antikes Modell gewesen, eins von der Sorte, die erstmal mit einem Hammer dazu überredet werden mussten, sich in der Dose zu verbeißen. Simpel, aber unverwüstlich.

Dosenöffner. Foto bearbeitet, Original (PD) bei Wikipedia

Dieser Klassiker öffnete auch ohne Murren diese länglichen Anchovisbüchsen, bei denen immer der Drehschlüssel fehlte. Die musste ich mir abgewöhnen, denn No 2 versagte dabei kläglich: Das Schneidrad war zu groß für die engen Rundungen an den Schmalseiten dieser Dosen. Ansonsten war er brav, wiewohl kein Quell ungetrübter Freude: Er tauchte bei Gebrauch tief in Tomatensauce, Öl & Co, die denn bei jedem Ruckeln (und es ruckelte oft) aus der erst partiell geöffneten Dose spritzten, und zudem trotz aller Reinigungsbemühungen mit Drahtbürsten und Zahnstochern im Laufe der Zeit eine immer dickere Patina an den Zahnrädern bildeten. Weshalb No 2 in den letzten Jahren fast nur noch zum Öffnen von Tunfischdosen für die Katzen verwendet wurde. Und auch das immer seltener, denn immer mehr Konservendosen aller Art sind ja mit Aufreißdeckel versehen, und zudem spielen sie in der Low Budget-Küche ohnedies nur eine kleine Nebenrolle. So schob Öffner No 2 über die Jahre eine ziemlich ruhige Kugel. Bis ich vor einigen Tagen, eine Dose Kichererbsen in der einen und No 2 in der anderen Hand, unvermittelt in Streik trat: Die erwähnte Patina könnte vielleicht in tausend Jahren ArchäologInnen erfreuen, mir verdarb sie schon im Vorfeld den Appetit auf den geplanten Brotaufstrich. Und so schickte ich No 2 in Rente und erwarb nach ausgiebiger Marktforschung den dritten Dosenöffner meines Lebens.

Dosenöffner

Vermutlich hat auch dieses Ding seine Macken - aber bisher ist nichts davon zu merken. Wo ich bei No 2 regelmäßig murrte, "Auf den Mond können sie fliegen, aber keinen vernünftigen Dosenöffner erfinden", regiere ich auf No 3 mit glücklichen kleinen Seufzern. :-) No 3 hält sich fern vom Doseninhalt und öffnet das Behältnis nahezu unmerklich. Die Dose sieht nach Einsatz von No 3 völlig unversehrt aus, weshalb ich ihm nach dem ersten Test schon völliges Versagen unterstellte, wo er bloß Perfektion demonstriert hatte. Und er hilft beim Sparen: Die Kanten sind absolut glatt, was - bis No 3 an Schärfe verliert - die Ausgaben für Pflaster und Jod reduzieren wird. Der Kichererbsenaufstrich schmeckte allerdings ein wenig ungewohnt, so ganz ohne Blut drin. :-)

Kichererbsenpaste
 

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9 Kommentar(e):

Buntköchin meint:

Den Kichererbsenaufstrich könnte ich jetzt gut vertragen. Ich mag ihn sowieso lieber vegetarisch!

zorra meint:

Deshalb nehme ich getrocknete Kichererbsen und koche sie selbst. ;-)

Viel Spass mit dem neuen Teil.

Jutta meint:

Nr. 2 habe ich auch aufs Altenteil gesetzt. Und Nr. 3 versieht seinen Dienst seit Jahren ohne Auffälligkeiten. Eine damals teure, aber lohnenswerte Investition. Gut gemacht!

lamiacucina meint:

kein Motörchenantrieb dabei ?

Barbara meint:

Ha ja! Eine der besten Investitionen in unserem Haushalt. Vor Jahren gekauft, damals lange überlegt, weil teuer - und jedes Mal, wenn ich ihn benutze, freue ich mich.

Gratulation zum neuen Dosenöffner. :-)

Alicia meint:

Hm, magst vielleicht mal ein "Ganzkörperfoto" von deinem Dosenöffner posten? Weiß grad nicht, wie der aussehen soll und hätt auch gern nen Guten... Grüße!

Hedonistin meint:

@Zorra - Für spontane Gelüste sind ein paar Dosen mit den fröhlichen Erbsen im Vorrat aber unverzichtbar. :-)

@Hr.L - Niemals nicht kommt mir sowas ins Haus! Es sei denn, Rheuma, Gicht & Co erzwingens mal. Das wär fast so dekadent wie ein elektrischer Staubwedel. :-)

@Jutta&Barbara - Ich hab in den letzten Jahren immer mal wieder geguckt. Aber wenn ich die Preise sah, dacht ich mir immer, das lohnt nicht, so oft brauch ich das Ding ja nicht. Und nun ärgere ich mich nachträglich, dass ich mich so lange mit No 2 geärgert habe. Ich hätte nicht gedacht, dass der Unterschied so enorm ist.

@Alicia - Den Unterschied im Schneidmechanismus siehst du auf den Detailfotos. Von vorne sieht er ganz normal aus, einfach den Link oben anklicken; oder google mal nach Sicherheitsdosenöffner, gibt ja verschiedene Hersteller.

Frau Traumberg meint:

Ich habe auch alle drei Exemplare in der Schublade und kann den Beschreibungen nur nickend zustimmen. Sehr treffend! :-)

So eine No 3 hab ich mal beim Kaffeeröster gekauft und bin nun schon seit Jahren glücklich damit. Das waren gut angelegte 6,99 Euro. ;-) (Jaja, High Price Segment... *gg*)

Anonym meint:

Ich habe zwei Favoriten bei Dosenöffnern:

1. Das Ding, das an meinem Schweizer Offiziermesser von Victorinox dran ist. Das ist zwar die eher spartanische Variante, funktioniert aber immer. Benutze ich Outdoor oder wenn der andere mal verlegt ist.

2. Darüber bin ich nach einem Test im Spiegel vor vielen Jahren gestolpert: Der "Sieger Boy". Würde man eigentlich so nicht kaufen, weil man den Eindruck hat, dass da die Griffe fehlen. Wenn man den aber erst mal benutzt hat, dann stellt man fest, dass es die nicht nur nicht braucht, sondern dass es ohne sogar noch einfacher geht. Benutze ich nun seit über 10 Jahren und das Ding sieht noch so aus, wie neu. Praktischer Nebeneffekt der Bauweise: nimmt sehr wenig Platz in der Schublade weg.