Mittwoch, 24. Oktober 2007

DKduW: Süß duftende Vermicelli - Seviyan


Mit 1,6 kg Gewicht ist Nigella Lawson’s Festessen kein Buch, das frau mal eben so zur Hand nimmt, um kurz darin zu blättern. Da heißt es schon, den schweren Wälzer zum Tisch zu tragen und sich hinzusetzen – und allenthalben wieder aufzustehen, um in die Küche zu laufen und nachzusehen, ob diese oder jene Zutat denn überhaupt vorrätig ist. Das ist ein wenig mühsam, und ich bin faul – deshalb fristet dieses Buch ein unbeachtetes Dasein in der low budget-Küche. Nein, stimmt gar nicht, beachtet wird es schon, aber meistens nur mit dem Seufzer: "Da könnt ich eigentlich auch mal wieder reingucken – wenns nur nicht so ein schwerer Brocken wäre!" Also ein geeigneter Kandidat für den Kochbuch-Event bei FoodFreak.

Heute liefs aber andersrum als sonst: Ich hatte beschlossen, ein wenig Platz im Vorratsschrank zu schaffen und zu diesem Behufe endlich die Packung pakistanischer Vermicelli aufzubrauchen, solange sie noch lang waren. Diese Weizennudeln sind nämlich gar unglaublich dünn, kaum 1 mm Durchmesser, und zerbrechen schon, wenn man sie nur scharf anguckt, geschweige denn sie im Schrank von einem auf den anderen Stapel räumen will.

pakistanische Vermicelli

Ich erinnerte mich, in Lawson’s dickem Schmöker ein Dessert-Rezept gesehen zu haben, das ausdrücklich pakistanische Vermicelli verlangt (oder indische, wie ich inzwischen nachgelesen habe, aber die sind etwas dicker – jedenfalls die Sorte, die mein exotischer Supermarkt führt). Das Rezept war schnell gefunden, die "süß duftenden Vermicelli" sind im Kapitel "Eid-ul-Fitr" angesiedelt. Eid-ul-Fitr ist das Fest des Fastenbrechens am Ende des Ramadan, und Seviyan, wie das süß-cremige Nudelgericht eigentlich heißt, darf bei diesem Festmahl nicht fehlen.

Im Netz finden sich reihenweise Rezepte für Seviyan, an Lawson’s Version gefiel mir die Verwendung von Rosenwasser. Ich liebe dieses Aroma (und Duftrosen überhaupt), auch wenn ichs manchmal etwas übertreibe. :-) Was ich nicht so mag, ist ungehemmter Einsatz von Zucker: Nigella Lawson nimmt für 150 g Nudeln und 1/2 Liter Flüssigkeit satte 200 Gramm – das wäre für mich ungenießbar. Natürlich sind orientalische Süßspeisen oft ziemlich süß, aber was zu viel ist, ist zu viel. Zum Ausgleich erwies sich die im Rezept genannte Flüssigkeitsmenge als zu gering für ein wirklich cremiges Ergebnis. Aber da ich die Nüsse weggelassen (mit Nüssen hab ichs nicht so) und frische Früchte dazu serviert habe, hats gepasst.

Süße Vermicelli - Seviyan

Süß duftende Vermicelli

15 g Ghee (eher etwas mehr)
75 g Cashewkerne
150 g pakistanische oder indische Vermicelli
250 g Wasser (eher etwas mehr)
250 g Milch (eher etwas mehr)
2 Kardamomkapseln (hier: Samen, leicht angemörsert)
1 EL Rosenwasser
200 g Zucker, extrafein (hier: 80 g)

ergibt: 8-10 Dessertportionen als Teil eines großen Curry-Essens
      (hier: 3-4 Portionen als süßes Hauptgericht)

Ghee in einem Topf zerlassen und die Cashewkerne darin hellbraun braten. Herausnehmen und beiseite stellen.

Nudeln im selben Fett bei niedriger Temperatur braten, bis sie goldbraun sind. Wasser zugießen, Deckel auflegen und in etwa 5 Minuten weichgaren.

Milch mit Kardamom und Rosenwasser fast bis zum Siedepunkt erhitzen. Zucker einrühren. Milch (durch ein Sieb) zu den weichen Nudeln gießen und offen 5-10 Minuten ziehen lassen, bis die Nudeln die Milch aufgesogen haben.

Nudeln auf eine Platte häufen und mit den Cashewkernen bestreuen.

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3 Kommentar(e):

KochSchlampe meint:

Oooooohhh!

Feast wollte ich auch haben. Vielleicht sollte ich mir dann aber die Taschenbuchausgabe wünschen....?
Wobei ich mir auch so schon regelmäßig komische Blicke einfange, wenn ich von 20 Kochbüchern umgeben im Sessel sitze und mich nicht entscheiden kann, was es zu Abend geben soll.

kulinaria katastrophalia meint:

Aber das MUSS doch süß sein - wo sollte sonst die monatliche Zuckerration in einem Bissen herkommen ;-)

Hedonistin meint:

Nee, Kochbücher mag ich nicht als Taschenbücher. Das ist ein Gefühl wie Tütensuppe - es fehlt so ziemlich alles zum runden Genuss.

@kulinaria - du hast natürlich völlig Recht, so ein Rezept darf man nicht isoliert betrachten. :-)