Samstag, 1. November 2008

Horlicks


Horlicks

Vor einigen Wochen fiels mir in meinem indischen Supermarkt erstmals auf und ich stand eine ganze Weile unschlüssig vorm Regal: Am liebsten hätte ich sofort ein Glas Horlicks erworben. Nur die völlige Ratlosigkeit, was damit anzufangen wäre, ließ mich wenigstens vorläufig Zurückhaltung üben. Denn meinen ersten Gedanken, es anstelle von Milchpulver zum Backen von beispielsweise Hokkaido-Milchbrot zu verwenden, verwarf ich, nachdem mir in der Zutatenliste der Zucker aufgefallen war. Ungefähr zur gleichen Zeit hatte sie das Malzmilchpulver auch entdeckt, und im Vertrauen auf ihre Kreativität griff ich beim nächsten Einkaufsbummel zu.

Von da an waren Rezepte aber gar kein Thema mehr. Schon mein spontaner Kaufwunsch hätte mich warnen müssen: Dieses Produkt spricht Bereiche in mir an, die sich rationalem Zugang entziehen. Das hat, glaube ich, viel mit der Verpackung zu tun. Obwohl mich das Etikett bei distanzierter Betrachtung nicht vom Hocker reißt, sehe ich den Mond, der auf dem Markennamen zu schaukeln scheint, und habe Assoziationen von nostalgisch berüschten Wiegen, melodischen Spieluhren und friedlich schlummernden Babys. Innere Bilder, die mich auf eine angenehm entspannte Weise schläfrig machen - schon vor dem Öffnen des Glases, was einen sparsamen Umgang mit dem nicht ganz billigen Pulver ermöglicht. :-)

Das berühmte Glas heiße Milch hab ich noch nie gern getrunken, deshalb habe ich die klassische Horlicks-Zubereitung erst gar nicht probiert. Aber Grießbrei, warm und weich Gaumen und Seele umschmeichelnd, liebe ich. Und Grießbrei mit einem Löffel Horlicks hat, wie sich zeigte, das Potenzial, der heißen Milch mit Zwieback, Trostessen seit meiner Kindheit, den Rang abzulaufen. Ein Schüsselchen vom malzduftenden Brei, Kuscheldecke, Herzschmerzfilm - Trübsinn kann so schön gemütlich sein. :-)

Horlicks Grießbrei

200 g Milch
2 EL Grieß
1 EL Horlicks
1/2 TL Vanillezucker

Milch aufkochen, vom Herd ziehen, Grieß, Horlicks und Zucker einstreuen. Unter Rühren andicken lassen.

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9 Kommentar(e):

lamiacucina meint:

Horlicks Schlafratgeber liest sich ja spannend: "Instead of watching TV in bed, read a book"

Hedonistin meint:

@Hr.L. - Vermutlich ist das britische TV-Programm von ganz anderer Qualität als das hiesige. :-)

Eva meint:

wenn das 'Zeug' sooo gut gegen Trübsinn hilft, sollte ich mich jetzt sofort auf die Suche machen....bloss woher nehmen???

Sivie meint:

Schöne Idee. Wird mangels Horlicks mal mit Ovomaltine ausprobiert, die ich in einem Anfall von Begeisterung für Ulrikes Cookies gekauft hatte.

Nysa meint:

also wenn es echt glücklich macht, dann kauf ich das zeugs sofort ;-) ovomaltine geht, und als kleines kind malzbier geliebt. hum... warte auf mehr berichte von dir ;-))) lg

ostwestwind meint:

Ich mag das Zeugs auch so, aber ich bin besonders auf diesen Kuchen scharf. Ich bin gespannt, ob ich bei der ganzen TWD-Backerei noch dazu komme ;-)

kulinaria katastrophalia meint:

1,29 Pfund sind doch gar nicht soo teuer - oder wird Importgebühr im indischen Laden draufgeschlagen ;-)

Hedonistin meint:

@Kulinaria - In Euro waren es dreifuffzich - vermutlich hab ich einen Tag mit ungüstigem Wechselkurs erwischt. :-)

@Ostwestwind - Mit Torten dieser Art hat Rubens seine Modelle gefüttert, glaub ich. Sehr reizvoll. :-)
Mir waren diese Kekschen aufgefallen, aber da fehlen mir ein paar kleine Kinder als Ausrede. :-)

Dagmar Rehak, Wien meint:

Von Horlick's (Stumpergasse gekauft) hab ich mir ein völlig neues Geschmaxerlebnis erwartet. Aber samma si ehrlich: Es schmeckt wie Ovomaltine light.
Als warme Schlafenmilch hat es getaugt, aber ich hatte dabei immer das Gefühl, eine Zahnsünde zu begehen, weil nachher Zähne putzen wollte ich natürlich nicht mehr.
Aber es hat mich gefreut, Horlick's's Bekanntschaft zu machen.

Dafür hab ich in der Stumpergasse beim Inder was anderes entdeckt, was mich immer wieder sehr erregt:
In der Tiefkühltruhe gibt es ein fettes Fladenbrot, wahlweise in neutral und mit Knoblauch. Das muss man so zubereiten, dass man es noch tiefgefroren in die trockene und schon recht heiße (Telefon-)Pfanne wirft, und unter kreisförmigen Rumschleuderbwewegungen heiß macht. Anders geht es nicht. Wenn es aufgetaut ist, verklebt es hoffnungslos, und wenn die Pfanne nicht heiß genug ist, also es länger dauert, vertrocknet es. Also nur mit 200°C Unterschied rausbacken. Es wird dabei von kompakt-aussehend zu blättrig-hell und bekommt braune Flecken.