Dienstag, 27. Jänner 2009

Kartoffeln, Sellerie & süße Birnen, gratiniert


Kartoffeln, Sellerie & Birnen, gratiniert

Ich bin kein Freund von Knollensellerie. Fast möchte ich sagen: im Gegenteil. Daran vermochten auch einzelne gute Erfahrungen nichts zu ändern. Und so schrumpelte die eigens für den Sellerie-Event im Gärtnerblog angeschaffte Knolle traurig vor sich hin. Als ich mir heute schließlich einen Ruck gab, hatte ich noch keine Ahnung, wohin das führen sollte. Erstmal im Ganzen kochen das Ding, dachte ich, dann wird frau weitersehen. Aber nicht jeder steht diesem Gemüse so distanziert gegenüber wie ich: Da hatte sich doch glatt schon jemand hungrig reingefuttert - oder satt hinaus? So landete gleich mal ein Drittel der Knolle am Kompost, samt guten Reisewünschen für den unbekannten Passagier. Der Rest wurde sicherheitshalber geschält und in Streifchen geschnitten. Und nun? Um irgendwas zu tun, warf ich den Sellerie mit etwas Butter in eine Pfanne. Meine Güte, ein halbes Kilo war es nur, aber was für ein Berg Schnipsel! Mount-Everest-Format. Und zweifellos würde das später beim Kauen noch mehr werden, trocken und holzig den Mund ausfüllen, mir die Luft abschnüren ... Mir wurde schon im Vorfeld ganz eng im Hals. Flüssigkeit, es muss Flüssigkeit dazu. Mein Blick fiel auf ein Glas Birnenmus, jüngst gekocht, fast ohne Zucker, dennoch unglaublich süß und zu nix zu gebrauchen, weil außerdem zu dünn - rein damit! Die süßen Birnen verwandelten sich schneller in Karamell, als ich gucken konnte. Zitronensaft nachgegossen - der eigentlich für den Tee des fiebrig erkälteten Gefährten gedacht und schon mit einem Hauch Ingwer versetzt war -, noch etwas Chili, Deckel drauf und aufgeatmet. :-)

Eine Viertelstunde später überraschte mich die ungeliebte Knolle: Die Schnipsel schmeckten fruchtig, etwas süß, etwas säuerlich, leicht scharf - lecker will ich nicht sagen, denn Sellerie war und blieb es, aber gar nicht übel und auch gar nicht trocken. Sah aber immer noch so aus wie der Sellerie damals, jene Knolle, welche die Vorfahrin nach einem Rezept aus der Bäckerblume oder einem ähnlichen Blättchen in etwas namens Hollywoodsalat verwandelt hatte: wie ihn, so stand es geschrieben, die Filmstars essen, um schlank und schön zu werden und zu bleiben. Und so kauten wir trockene Sellerieraspel mit ein paar Tropfen Zitronensaft, die sich tatsächlich als Wundermittel erwiesen: Schon nach wenigen tapfer hinuntergewürgten Bissen fanden wir uns schön genug und überließen den restlichen Salat jenen, die ihn nötiger hatten, den Kompostwürmern nämlich. :-)

Sellerie, mit Birnenmarmelade gedünstet

In dieser Form konnte die Sache also nicht auf den Tisch. Ich erwog verschiedene Ergänzungen - Pasta? Fisch? Vielleicht Richtung Curry aufbereiten? -, traute aber keiner so recht. Und landete daher schlussendlich bei der klassischen und immer passenden Selleriebegleitung, der Kartoffel. Knapp gar gekocht und grob zerstampft mit dem Sellerie vermischt, etwas Pfeffer, etwas Salz, nochmal Ingwer, Chili und etwas von dem Birnenmus, wieder Chili, Koriandergrün ... passt. Butterflöckchen drauf, ab in den Ofen.

Unterdessen warf ich einen Blick in den Kühlschrank und musste feststellen, dass darin an salattauglichem Grünzeug mangelte. Wie sehr mich das erschütterte, kann nur jemand verstehen, der wie ich an einem trockenen Sellerietrauma leidet. In meiner Panik kippte ich das restliche Birnenmus über das Gratin und servierte dem Gefährten eine Probierportion: Der Mann hielt, was ihm da vorgesetzt wurde, erstens für eine Süßspeise (blöde Birnen), nannte es zweitens das leckerste Selleriegericht, das er je gegessen habe (nun ja, bei zwei Selleriekreationen in zehn Jahren) und tat drittens, was er noch nie getan hat, worüber ich mich hier schon beklagte und weswegen ich die Küchenlateinerin ein wenig um ihre Herren beneide: Er äußerte einen konkreten Essenswunsch: "Kannst du nicht mal", so frug der Gefährte, "einen richtigen Kuchen mit Sellerie und kandiertem Ingwer backen?" Ja, aber sicher kann ich das. Zum nächsten Sellerie-Event, in zehn Jahren oder so - falls deine Fieberphantasie so lange anhält. :-)

Sellerie & Kartoffeln, überbacken

PS: Wir haben alles verputzt. Es war wirklich nicht übel. :-)


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10 Kommentar(e):

Schnuppschnuess meint:

Wenn euch der Sellerie so gut geschmeckt hat, wie mir der Beitrag gefallen, dann gibt es bald wieder Sellerie - einfach nur köstlich!

kulinaria katastrophalia meint:

Auch wenn sich ungeahnte Vorzüge des nun gar nicht mehr trockenen Gewächses bei der netten Geschichte zu offenbaren wissen - so zeigt sich doch immer noch eine aus tiefen unergründlichen Quellen gespeiste Unmutsregung nun doch mal was davon gewinnbringend für den Kochprozess zu nutzen; vielleicht sollten wir wirklich mal ausnahmsweise backen ;-)

lamiacucina meint:

wie lange hielt die Hebung der Schönheit denn an ? eine Frage die sicher alle interessiert.

Sivie meint:

Tolle Geschichte und wenn es am Ende dann noch geschmeckt hat, zumindest einem auch sehr gut, dann hat die Knolle doch ihren Dienst getan.
Auf zum nächsten Event.

Eva meint:

Und - ist dein Sellerietrauma jetzt wenigstens ein bisschen geheilt? - Gute Besserung für den Gefährten!!

rike meint:

Was für Dich der Sellerie sind für mich Linsen und Erbsen. Da kann man auch mit machen, was man will - einfach nur furchtbar. Hut ab, dass Du Dich trotzdem aufraffen konntest!! Ich hätte das nicht gemacht...

Petra meint:

Toll! Meine Knolle wartet und so wie es aussieht wohl vergeblich auf Verarbeitung. Wird wohl stückeweise als Suppengemüse in den Kälteschlaf geschickt werden. Mir fällt nichts damit ein, was nur ansatzweise hier gegessen werden könnte...
Gute Besserung - ich spiele auch gerade Krankenschwester für meinen Jüngsten...

Hedonistin meint:

@Petra - Als Suppengemüse ist die Knolle ok, in jeder anderen Form muss ich sie nicht haben.
Gute Besserung dem Nachwuchs!

@Rike - Mir war nach einer kleinen Herausforderung. :-) Aber normalerweise mach ich um die paar Sachen, die ich absolut nicht mag, auch einen großen Bogen. Gibt genug leckere Angebote, und den Charakter kann man auch anders stählen als durch Gemüseüberwindung. :-)

@Eva - Nicht wirklich. Die Erfahrung, dass Sellerie nicht absolut grauenvoll und unerträglich schmecken muss, ist noch lange keine Freundschaftsbasis. :-)

@Hr.L. - Kein Ende abzusehen. :-)

@Kulinaria - Ich wüsste einen Abnehmer für Selleriekuchen. :-)

@Schnuppschnüss - Wenn dir der Beitrag so gefallen wie mir der Sellerie geschmeckt hat, meld ich mich für einen Anfängerschreibkurs an. :-)

KochSinn meint:

Birne und Sellerie ist eine feine Kombination und sieht vor allem verdammt gut aus.

Barbara meint:

Wow, Hut ab vor diesen masochistischen Selbstversuchen. :-) Danke für Deine Teilnahme am Garten-Koch-Event Knollensellerie!

Die Zusammenfassung ist online, die Abstimmung geht bis 3. Februar 23:59 Uhr.