Freitag, 10. April 2009

Challa


Challot, frisch aus dem Backofen

Hefezöpfe haben mindestens zwei große Vorzüge. Erstens schmecken sie fein, und zweitens kann frau sie auch mit lädiertem Knie mühelos backen: Das Hervorkramen und Abmessen der Zutaten lässt sich bestens delegieren, das Kneten übernimmt die Murmelnde MUM, ums Aufgehen kümmert sich der Teig selbst. Bleibt also nur das Flechten. Das kann ich recht gut - sofern ich dabei die Hände hinterm Kopf habe. Aber sehenden Auges etwas vor mir Befindliches zu flechten, seien es nun Kinderhaare oder Teigstränge, macht mich ob der falschen Richtung immer ganz kirre. Dafür hab ichs heute aber ganz gut hingekriegt - sogar mit sechs Strängen. (*)

Aufwändige Flechterei ist aber kein Muss. Aus wie vielen Strängen die Challa, das jüdische Schabbat-Brot, geflochten wird (oder ob überhaupt), ist der persönlichen Vorliebe überlassen. Nicht aber die Zahl der Zöpfe: Zwei müssen es traditionell sein, denn die Challot versinnbildlichen die doppelte Menge Manna, die freitags vom Himmel über der Wüste fiel. Dieses Himmelsbrot soll weißen Mohnsamen ähnlich gewesen sein, deshalb werden die Zöpfe gern mit Mohn oder Sesam bestreut.

In der Zubereitung unterscheidet sich die Challa vom klassischen Hefe-Zopf eigentlich nur dadurch, dass zwar Eier in den Teig kommen, aber keine Butter und keine Milch: Challot müssen parve (neutral) sein. Die Verwendung von Öl (oder auch Margarine) hat nebstbei den Vorteil, dass die Zöpfe etwas saftiger geraten als mit Butter. Die gibt natürlich ein feines Aroma, aber das lässt sich ja auch gut nach dem Backen zufügen. :-)

flaumige Challa

Challa

2 Eier
120 g neutrales Pflanzenöl
1 kg Mehl
50 g Zucker
1 Pk Trockenhefe
1 TL Salz
ca 475 g Wasser, evt etwas mehr
Rosinen, nach Belieben
1/2 Ei, verquirlt, zum Bestreichen
Mohn & Sesam, zum Bestreuen

Temperatur: 180 Grad, O/U-Hitze, vorgeheizt
Backdauer: ca 35-40 Minuten
Form: Backblech, mit Backpapier belegt

Eier und Öl gut verquirlen. Mehl mit Zucker, Hefe und Salz mischen. Die Eier-Öl-Mischung und den größten Teil des Wassers dazugießen. Etwa 10 min gründlich kneten, dabei nach Bedarf noch Wasser zugeben: der Teig soll glatt, aber relativ weich sein. Am Ende des Knetvorgangs nach Belieben Rosinen untermischen. Abgedeckt gehen lassen, bis sich das Volumen annähernd verdoppelt hat. Abschlagen und kurz durchkneten, abdecken und wieder zur doppelten Größe aufgehen lassen.

Teig in zwei Portionen teilen. Aus jeder Hälfte sechs Stränge rollen und zu Zöpfen flechten. (*)

Auf ein mit Backpapier belegtes Blech setzen und locker abgedeckt etwa 30 min gehen lassen. Mit verquirltem Ei bestreichen, nach Belieben mit Mohn bzw Sesam bestreuen, ins Rohr schieben und goldbraun backen.

(*) Eine sehr schöne Video-Anleitung zum Flechten mit 6 Strängen gibts bei Expert Village. Das Prinzip ist simpel: Es wird immer mit dem äußersten rechten Strang gearbeitet. Der wird nach links gelegt, und zwar über die nächsten zwei Stränge, dann unter den mittleren Strang, und schließlich über die beiden Stränge ganz links. Über zwei, unter einen, über zwei ... wenn frau sich das immer schön rhythmisch vorsagt, klappts problemlos. :-)


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28 Kommentar(e):

lamiacucina meint:

eindrücklich zum zuschauen, aber welcher Strang wohin, ist schon wieder aus dem Gedächtnis.

Elli meint:

Lustig gerade an Pessach ein Challa Rezept zu posten, wo Juden gar kein Brot essen dürfen... bzw keinen gesäuerten Teig zubereiten dürfen. :-)

zorra meint:

Ich bin ganz und gar unfähig alleine zu zöpfeln wie man hier http://kochtopf.twoday.net/stories/5291292/ sehen kann. ;-)

Inzwischen hat Y. eine Anleitung geschrieben, die er mir beim Zöpfeln vorlesen muss, dann klappt's. Frohe Ostern wünsche ich dir!

Hedonistin meint:

@Hr.L. - Alternativ lässt sich mit nur einem langen Strang und zwei dicken Nadeln arbeiten: Challa stricken. :-)

@Zorra - Frau muss ja nicht unbedingt verraten, dass der Musterwechsel unbeabsichtigt war. Und in gebackenem Zustand ist dein Zopf einfach nur ein Prachtstück!

@Elli - Bei aller Strenge der Kaschrut: Sie untersagt nur den Verzehr der Challa, aber nicht das Lesen des Rezepts. ;-)

Eva meint:

Ich bin bis jetzt über 2 Stränge noch nicht hinausgekommen; das Video würde vielleicht helfen, läuft bei mir aber nicht...:-(

Ich wünsche dir und deiner Familie frohe Ostern und lasst euch das Challa gut schmecken!

Anonym meint:

du kannst die verpassten sendungen mit sarah wiener übrigens hier sehen:
http://plus7.arte.tv/de/1697480.html

unbekannterweise
anja i.

Hedonistin meint:

@Anja - Ganz lieben Dank für diesen Link!

Schnuppschnuess meint:

Vielen Dank für die Anregung. Ich habe mich endlich getraut, auch einen Zopf mit sechs Strängen zu backen, nachdem ich hier mal wieder darauf gestoßen wurde. Ich habe zwar ein anderes Rezept genommen und auch eine andere Anleitung verwendet (deshalb sehen Deine Zöpfe auch besser aus), aber immerhin, sechs Teigwürste verarbeitet habe ich. Frohes Fest wünsche ich Dir.

Heidi meint:

Eine GENIALE Flechtanleitung. Ganz herzlichen Dank dafür!!! Ich bin der absolute "Flechtdepp" (normalerweise) aber jetzt kann ichs *freu

peppinella meint:

dieses bild da....wo du die butter auf das teil streichst...das ist eine unverschämtheit. da kriegt man ja solchen hunger!!!!

Sarah meint:

Wie lecker. Die sehen genau so aus wie die Mohnzoepfe die es immer bei meinem Baecker in Hamburg gab. Die morgens mit Kaese - ein Gedicht. Werde ich auf jeden Fall auch mal machen.

Vielen Dank fuer das Rezept.

Liebe Gruesse,
Sarah

natascha meint:

hmmmm, starre ich seit wochen auf einen screenshot oder wird nur mehr gefastfooded?! entzugserscheinende grüße n.

Absolut meint:

Sehr schönes Rezept!

rike meint:

Zopf, muss ich mal wieder machen. Bei mir immer klassisch mit 3 Strängen, sollte vielleicht mal wieder die anderen üben!

Ech Spröözeblech meint:

Schließe mich Natascha an. Ich
hab´auch schon so großen Hunger und es kommt einfach kein frisches Essen auf den Bildschirm.
Hoffentlich ist alles in Ordnung.
Wartende + herzliche Grüße
Maria

Chrisou meint:

Iwas stimmt da net, entweder hats gesundheitliche Probleme oder sie is in Urlaub gfahren, ich wünsch Ihr 2eres :)

Schnuppschnuess meint:

Ein bissi unruhig bin ich auch (obwohl ja keine Abmeldepflicht besteht...) und hoffe, dass es wirklich "nur" Urlaub ist. Oder Zeitnehmen für die vielen anderen schönen Dinge im Leben, die es neben dem Bloggen noch gibt. Liebe Grüße!!

quirlig meint:

Jawoll, ich vermisse sie auch schon seit einem Weilchen. Hab mich aber nicht nachfragen getraut, wegen: es besteht ja keine Abmeldepflicht...Liebe Grüße und alles Gute

natascha meint:

abmeldepflicht!

Barbara meint:

Ich schaue auch alle paar Tage mal hierher - und wünsche Dir auch, dass das Knie vom nicht vorhandenen Pflasterstein verheilt ist und Du einfach eine gute Zeit genießt und entspannst??!!

Liebe Grüße! :-)

BONZ meint:

Anbei ein tolles Kochvideo von PES:

http://bonz.ch/blog/?p=812

Liebe Grüsse
Christian

anyamanya meint:

Ich habe für Dich ein wirtueller Kochhut in meinem Blog, mit dem ich ausdrücken wollte, wie wunderschön ich dein Blog finde! :)
Mehr darüber bei mir: http://mamihami.blogspot.com/2009/06/szakacssapi.html

Flan meint:

Eins meiner Lieblingsblogs liegt brach. :( Der köstliche Rhabarberkuchen, den ich gestern nachgebacken habe, war zwar von letztem Jahr - aber auf Rezeptenachschub warte ich trotzdem ungeduldigst!

sammelhamster meint:

Melde dich doch mal kurz, damit wir wissen ob es dir gutgeht!!

Claudia meint:

Zopf links oder rechts, hin oder her....wurscht, schmecken tut dieses Zöpfli in jedem Fall. Ich liebe Hefezöppe, meine Taille eher weniger ;-). Wat soll´s - her damit!

Anonym meint:

ich hoffe sehr dass es dir gut geht!!!

lg
anja

Juedisches Berlin meint:

Dass ein Challe-Rezept parve sein muss ist ein absoluter Quatsch. Wo haben Sie das denn her? Es gibt milchige und parvene Challe-Rezepte. Wenn man Fleisch ißt, dann bereitet man die Challe parve zu.
Das Verhältnis von zwei Eiern auf 1 Kilo Mehl ist etwas sehr wenig.

Hedonistin meint:

@Jüdisches Berlin - Diese Info stammt aus der Wikipedia (Zitat: "In Bezug auf die Kaschrut gilt für die Challot, dass sie parve sein müssen: Insbesondere heißt dies, dass das Rezept keine Milch verwenden darf. Der Grund hierfür ist, dass es sowohl am Schabbat als auch an den meisten Feiertagen als besondere Mitzwa gilt, Fleischgerichte zu essen.)

Und da sich in meinen jüdischen Kochbüchern ausschließlich milchfreie Challa-Rezepte finden, sah ich keinen Grund, an der Korrektheit dieser Information zu zweifeln.

Und ja, zwei Eier auf 1 kg Mehl sind wenig - aber wir sind hier in der Low-Budget-Küche. :-)