Freitag, 27. Juli 2007

Abgekupfert: Gazpacho-Gelee


Vormittags bei Dolce entdeckt, abends schon in der Low Budget-Küche angerichtet:

Gazpacho-Gelee

Mangels Pralinenförmchen hab ich Muffins-Formen verwendet. Die sind ja nun ein Eck größer und auch ganz glatt – dafür ist beim Stürzen das eine oder andere Geleestückchen drin hängen geblieben, und so haben die Teile doch ein bisschen Struktur in die Oberfläche gekriegt. :-)

Reis-Ziegenkäse-Creme Die weiße Sauce wurde frei Schnauze aus einem Löffel Reis, der noch übrig war, Joghurt, Ziegenfrischkäse und Zitronenthymian improvisiert – Schmand, wie bei Dolce verwendet, ist hierorts nicht erhältlich.

Etwas Bulgur (mit rotem Paprika und Knoblauch, leicht angedünstet) dazu baute die Sache zu einem leichten Abendessen aus. Normalerweise hätte ich die Körnchen einfach irgendwie dazugekippt, aber nachdem ich heute schon gesehen hatte, wie ordentlich und adrett bei lamiacucina die Hirse angerichtet wird, hab ich ganz beschämt beschlossen, auch hierorts ein wenig Disziplin einkehren zu lassen und so wurde der Bulgur mithilfe von Keksausstechern streng gedrillt. :-)

Bulgur-Sterne

Das Gazpacho-Gelee wird jedenfalls in die Liste der Sommer-Standards aufgenommen - macht praktisch keine Arbeit, dafür optisch was her und schmeckt superlecker.

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Dienstag, 24. Juli 2007

Risotto mit Himbeeren und Ziegenkäse


Risotto mit Himbeeren und Ziegenkäse Das Himbeer-Ziegenkäse-Risotto aus der Brigitte hatte es mir schon länger angetan. Aber mal hatte ich Ziegenkäse im Haus, mal Himbeeren – jedoch nie beides zusammen. Bis heute. Diese Gelegenheit konnte ich nicht ungenützt verstreichen lassen, umso weniger, als gerade der Garten-Koch-Event zum Thema Himbeere stattfindet.

Als ich ans Werk schritt – kurz nach Ladenschluss -, stellte ich fest, dass ich (a) keinen Himbeeressig besitze, (b) weniger Ziegenkäse einer Sorte habe, als das Rezept verlangt, dafür aber (c) mehr Himbeeren, dass mir (d) die Sache mit dem angebratenen Thymian nicht so gut gefällt, ich zudem (e) gewöhnlichen Thymian für zu intensiv neben zartem Himbeeraroma halte, und schließlich (f) Kochen sowieso nur ein Synonym für Improvisation ist ...

Die zufriedenen Seufzer bei Tisch deuten aber darauf hin, dass die Abweichungen nicht zum Schaden des Risottos waren. :-)

Risotto mit Himbeeren und Ziegenkäse

Risotto mit Himbeeren und Ziegenkäse

Risotto:
2 Schalotten, fein gewürfelt
1 EL Ghee
250 g Arborio-Reis
50 g Prosecco-Essig [1]
1 1/4 l leichte Gemüsebrühe, kochend
6 Stängel Zitronenthymian (Thymus citriodorus "Silver Queen"), gerebelt [1]
80 g Ziegenfrischkäse
Pfeffer, aus der Mühle

Sirup:
120 g Prosecco-Essig [2]
40 g Himbeeren [1]
10 g Zucker
einige Tropfen Rosenwasser

zum Anrichten:
90 g milder Ziegenkäse (Chèvre de Bellay, geascht), in kleinen Bröckchen
160 g Himbeeren [2]
3 Stängel Zitronenthymian (Thymus citriodorus "Silver Queen"), gerebelt [2]
evt. 3 Duftrosenblüten ("Multiflore de Vaumarcus", Menet 1875)

(Menge für drei hungrige Esser bemessen, reicht aber allenfalls auch für vier.)

Schalotten in Ghee anschwitzen. Reis zugeben und glasig werden lassen. Mit Essig [1] ablöschen. Sobald die Flüssigkeit aufgesogen ist, einen Schöpfer Brühe sowie den Thymian [1] zugeben. Restliche Brühe nach und nach zugeben, immer einen Schöpfer, wenn die vorige Portion aufgesogen ist. Zwischendurch immer wieder umrühren. Sobald der Reis gar ist, mit vorsichtig den Ziegenfrischkäse untermengen und mit Pfeffer abschmecken.

Während das Risotto gart, den Sirup bereiten. Dazu Essig [2] mit Zucker aufkochen. Himbeeren [1] zugeben und die Flüssigkeit auf etwa die Hälfte einkochen lassen. Vom Herd ziehen, Himbeeren falls nötig zerdrücken und den Sirup mit Rosenwasser parfümieren (vorsichtig und tröpfchenweise).

Zum Servieren die Ziegenkäsebröckchen und einen Teil der Himbeeren [2] auf dem Reis verteilen. Sirup darüberträufeln, mit Thymianblättchen [2] bestreuen und, wenn vorhanden, je eine Rosenblüte und evt noch einen Thymianzweig dazulegen.

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Donnerstag, 19. Juli 2007

Seelachs mit karamellisierten Zwiebeln


Zwiebelfisch ist nicht nur gedruckt ein Genuss, sondern fand hierorts auch in Form von mit Zwiebeln überbackenen Fischfilets großen Anklang. Die Anregung dazu stammt aus David Ruggerios Sizilienkochbuch, wo das Gericht allerdings nicht unter den Rezepten zu finden ist, sondern ohne Mengenangaben etc bei den Geschichten, unter dem Titel "Tina DiRosas Schwertfisch". Nun, Schwertfisch gabs hier nicht, die low budget-Küche behalf sich wie üblich mit billigem Seelachs. Petersilie war alle, daher wurde Thymian und Rosmarin verwendet, dafür auf die Minze verzichtet, mit der laut Buch der fertige Fisch bestreut werden sollte. Das Ergebnis war dennoch äußerst lecker. Als Nachteil des Rezepts muss allerdings erwähnt werden, dass das sanfte Braten und anschließende Karamellisieren der Zwiebeln es nötig macht, eine gute dreiviertel Stunde in unmittelbarer Herdnähe zu verbringen, was bei der aktuellen Wetterlage für Nicht-Sizilianer kein reines Vergnügen ist. :-)

Seelachs mit karamellisierten Zwiebeln

Seelachs mit karamellisierten Zwiebeln

500 g Zwiebeln, dünne Ringen
2 EL Olivenöl, zum Braten
6-8 TL weißer Balsamessig
500 g Seelachsfilets
2-3 EL Olivenöl, zum Wenden
100 g frisches Weißbrot, fein zerkrümelt
einige Thymianzweige, gerebelt
1 Rosmarinzweig, Nadeln gehackt
Salz & Pfeffer, aus der Mühle
ein Stück getrocknete Chili, fein gemörsert

Temperatur: vorgeheizt auf ca 180 Grad (Ober-/Unterhitze)

Zwiebeln in Olivenöl sanft und langsam anbraten: Sehr sanft, bei mildester Hitze, damit sich die natürliche Süße der Zwiebeln entwickeln kann. Eine gute halbe Stunde muss man dafür mindestens rechnen. Wenn die Zwiebeln hübsch goldgelb geworden sind, die Temperatur etwas erhöhen. Nach und nach den Essig zugeben, bis die Zwiebeln rotbraun karamellisiert sind. Auch hier gilt: Nicht hudeln, schön langsam machen. :-)

Brotkrumen mit Kräutern und etwas Salz vermengen. Fischfilets durch gesalzenes und gepfeffertes Olivenöl ziehen, dann ins Brot tunken und die Krümel gut andrücken. In eine Auflaufform schichten (bei den handelsüblichen dünnen Seelachsfilets kann das gut zweilagig sein). Eventuelle Brot- und Ölreste obenauf verteilen. Ins heiße Rohr schieben und ein paar Minuten backen, bis der Fisch grade eben durch ist. Backofen ausschalten, die Karamellzwiebeln über den Fisch geben, mit Salz, Pfeffer und Chili betreuen und noch mal für ca 10 Minuten ins Rohr schieben.

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Sonntag, 15. Juli 2007

Apricot Pie


Apricot-Pie

Den Mürbteig und mich verbindet eine lebenslange große Liebe – aber wir haben ein gar miserables Arbeitsverhältnis. Psychologen und Paartherapeuten ist dieses Phänomen gut bekannt; hierorts manifestiert es sich vor allem dadurch, dass der Mürbteig Privatleben und Arbeit strikt getrennt halten will: So sehr er es liebt, mir auf der Zunge zu schmelzen, so sehr hasst er es, in der Küche von mir angefasst zu werden. Dann macht er auf passiven Widerstand und zerfällt in tausend Teile, wenn ich ihm von der Arbeitsfläche in die Backform oder aufs Blech helfen will. Und wenn er es doch einmal geschehen lässt, trotzt er eben im Ofen, lässt sich halbseitig verbrennen und bleibt in der anderen Hälfte roh … Deshalb fand unsere große Liebe nur selten Erfüllung – bis vor einigen Jahren Sheila Lukins’ USA-Kochbuch in unseren Haushalt einzog. Auf Seite 540 dieses Wälzers findet sich das für zermürbte Teigbeziehungsneurotiker ultimative Rezept: Buttery Pie Crust. Mangels Zuckerzugabe universell einsetzbar und wirklich absolut idiotensicher.

Heute kam dieses rühmenswerte Rezept wieder zum Einsatz, denn es galt, zwei Eimer Aprikosen zu verarbeiten. Ein Teil davon endete als süße Pastete, wobei auch die Gestaltung der Fülle von Sheila Lukins inspiriert war: Sie würzt ihre Pfirsich-Pie nämlich großzügig mit Muskatnuss. Diese hierzulande eher unübliche Kombination hat mich gleich beim ersten Nachbacken überzeugt, und wie sich zeigte, passt Muskat auch ganz hervorragend zu Aprikosen. Bedenken hatte ich nur, dass die muskatgewürzte Pie sich mit der dazu gereichten lavendelgezuckerten Aprikosen-Eiscreme beißen könnte. Aber die Sorge war unbegründet, es herrschte eitel Frieden, Harmonie und wonnigliches Liebesglück. :-)

Apricot-Pie

Aprikosen-Pie

Teig:
375 g Mehl
1 Prise Salz
190 g Butter, kalt, in kleinen Stücken
1 Ei
6 EL Eiswasser
1 Eiweiß und 1 EL Wasser, leicht verquirlt, zum Bestreichen

Füllung:
1 kg Aprikosen, entsteint und in Spalten geschnitten
1/2 Zitrone, Saft
115 g Zucker
20 g Stärkemehl
1/2 TL Muskatnuss, frisch gerieben
1 EL Butter, in Flöckchen

Temperatur: vorgeheizt auf 200 Grad (Ober-/Unterhitze),
        nach 15 Minuten auf 175 Grad reduziert
Backzeit: ca 1 Stunde
Form: 24-cm-Pieform

Für den Teig Mehl und Salz mischen, Butter mit den Händen einarbeiten, bis die Masse bröselig ist. Ei und Wasser verquirlen, zugeben und kneten, bis ein Teig entsteht, aber nicht zu lange. Teigmenge halbieren, jede Hälfte auf (einem ausreichend großen Stück) Backpapier mit den Händen zu einer Platte flachdrücken, ins überstehende Papier einschlagen und für mindestens eine Stunde in den Kühlschrank legen.

Für die Füllung die zerkleinerten Aprikosen sofort in Zitronensaft wenden. Zucker, Muskat und Stärkemehl vermischen und gut mit den Aprikosen vermengen.

Zur Weiterverarbeitung des Teigs die Päckchen öffnen, ein zweites Blatt Backpapier auf den Teig legen und diesen dünn ausrollen (Durchmesser der Form plus Höhe des Randes für den Boden; Formdurchmesser plus etwas Überhang für den Deckel).

Dann den Boden in die Form befördern - an die klassischen Methoden Auf- und wieder Entfalten bzw über das Nudelholz drapieren trau ich mich nach wie vor nicht ran, ich leg den Teig einfach samt Backpapier in die Form und schneide die überstehenden Ränder ab – und mit Eiweiß bestreichen, damit er nicht aufweicht. Füllung auf den Boden geben, Butterflöckchen draufsetzen und den Teigdeckel auflegen (ich trag ihn auf Backpapier bis zur Form, häng ihn mir im letzten Moment über den Arm und dreh ihn ganz schnell um :-) ). An der oberen Kante der Form vorsichtig festdrücken, nach Belieben noch dekorativ verzieren, mit Eiweiß bestreichen und goldgelb backen. Lauwarm mit Eiscreme servieren.

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